Not macht erfinderisch

Von Kollegen beobachtet, bereitet sich die Mannschaft des Pumpenwagens auf die Betankung des herannahenden Schnellzuges vor.

Tankzug Bebra - die mobile Tankstelle

Nicht immer standen der Deutschen Bundesbahn alle notwendigen Einrichtungen f├╝r die Gew├Ąhrleistung eines reibungslosen Betriebsablaufes zur Verf├╝gung. Fehlende Ausstattungsgegenst├Ąnde oder besondere Betriebssituationen mussten durch Eigeninitiative und Improvisationsgeschick ausgeglichen werden. Ein solches Beispiel ist das Unikat des Tankzugwagens des Bw Bebra. Dieser Beitrag beschreibt den Bau dieses Betankungsgespanns auf der Basis des Zur├╝stsatzes der Firma Weinert Modellbau. 

Das Vorbild

Auf der Nord-S├╝d-Strecke wurden bis 1963 vielfach die ├Âlgefeuerten 01.10 des Bw Bebra eingesetzt. Durch ihren Einsatz auf dieser Strecke ergab sich in Bebra eine besondere Betriebssituation. Aufgrund des kurzen Zwischenstopps und in Ermangelung einer station├Ąren Betankungsanlage am Bahnsteig, musste eine spezielle L├Âsung f├╝r diese Betriebssituation gefunden werden. Diese fand der Bahnmeister der Bw-Werkstatt in einem umgebauten und mit einer Pumpe ausgestatteten Flachdach-G-Wagen in Kombination mit einem beheizten Tankwagen. So erhielt ein G10 eine Pumpe mit einem Schwenkarm zur F├Ârderung des Schwer├Âls aus dem

F├╝r die passgenauen Bohrungen und Aussparungen im Wagendach ist dem Bausatz eine Schablone beigef├╝gt.

Neben den Teilen des Bausatzes werden einige Zur├╝stteile zur Verfeinerung der Modelle ben├Âtigt.

Tankwagen in den Tender der 01.10. Die Verbindung wurde mit einem flexiblen Schlauch bewerkstelligt. Zum Erreichen des ├ľltenders besass der G-Wagen eine schwenkbare B├╝hne. ├ťber eine Luke und eine Anlegeleiter erreichte die Tankmannschaft das Wagendach. Als Besonderheit besass der Wagen an einem Wagenende zus├Ątzlich Lok-Laternen. Dies l├Ąsst darauf schliessen, dass auch in der Nacht mit dem Gespann betankt wurde. Der Tankzug bestand immer aus einer BR 56 mit einem beheizten, vierachsigen Tankwagen und eben diesem aufger├╝steten G-Wagen. Das Gespann erreichte von seinem Bereitstellungsgleis ├╝ber mehrere S├Ągefahrten seinen Einsatzort neben dem

Durchfahrtsgleis 2 am Bahnsteig 1. Dort wurde der Schnellzug erwartet, der mit h├Âchster Pr├Ązision direkt neben dem Pumpenwagen zum Stehen gebracht werden musste. Dies war kein leichtes Unterfangen bei einer Leistung von zehn bis zw├Âlf D-Wagen am Haken. Der Tankmannschaft standen dann nur drei bis vier Minuten Aufenthalt zur Betankung zur Verf├╝gung. Nach dem Stillstand der Lokomotive wurde die B├╝hne zum Tender und der ├ľlleitungsgalgen ├╝ber die Einf├╝ll├Âffnung geschwenkt. Sodann erfolgte die Bef├╝llung des Tenders. In dieser Zeit kontrollierte das Lokpersonal das Fahrwerk, w├Ąhrend eine andere Mannschaft die Wasservorr├Ąte erg├Ąnzte. So wurde mit dem umgebauten G-Wagen f├╝r diese besondere Betriebssituation eine separate und spezielle L├Âsung gefunden.

Vor dem Lackieren werden die Bauteile zur Probe angef├╝gt und der passgenaue Sitz ├╝berpr├╝ft.

Der Modellbausatz

Die Firma Weinert Modellbau brachte nun den im letzten Jahr angek├╝ndigten Zur├╝stsatz f├╝r einen G10 zur Auslieferung. Der Umbausatz enth├Ąlt die Ausstattungsteile zur Aufr├╝stung eines G10 und die Teile um die Verbindung zu einem Tankwagen herzustellen. Vor dem Umbau ist es ratsam dem Literaturhinweis der Firma Weinert auf das Heft ÔÇ×Bahn & Modell 2/89“ zu folgen, da in einem Artikel einige, interessante Vorbildaufnahmen zu finden sind. Der Umbau bzw. die zus├Ątzlichen ├änderungen am Wagenmodell wurden aufgrund der in diesem Heft abgedruckten Vorbildaufnahmen vorgenommen.

Der Pumpenwagen

F├╝r diesen Umbau werden ein Modell eines G10 als Basis f├╝r den Pumpenwagen und das eines vierachsigen Tankwagen ben├Âtigt. Das Modell von Fleischmann (Nr. 5352) wurde f├╝r den Pumpenwagen ausgew├Ąhlt, da es bewegliche T├╝ren besitzt. Nat├╝rlich sind auch Modelle anderer Hersteller zu verwenden. Jedoch m├╝ssen dann die T├╝ren ge├Âffnet und durch entsprechende Ersatzteile zuger├╝stet werden, da dem Bausatz auch Teile f├╝r das Wageninnere beigef├╝gt sind. Zudem ist der Fleischmann G10 sehr gut detailliert und bedarf nur noch einiger Verfeinerungen. So wurden neben den Bauteilen des Umr├╝stsatzes, Federpuffer (Nr. 8614) mit Sockelplatten (Nr. 8603), Rangiergriffe aus 0,3 mm Messingdraht (Nr. 9300), Rangiertritte (Nr. 8737), Bremskupplungen (Nr. 8286), Kupplungsflansche (Nr. 8643) und Federkupplungen (Nr 8633) von Weinert zuger├╝stet. An der dem Tankwagen zugewandten Seite werden die vorhanden Rangier- und Stirnwandtritte abgetrennt. Ebenso entfernt man die angegossenen, nicht freistehenden Griffstangen an den Eckholmen und die Schlu├čscheibenhalter. Die entfallenen

Nachdem alles farblich behandelt und das Modell beschriftet worden ist, wird es zusammengebaut.

Leider ist die Wagennummer auf den beigef├╝gten Nassschiebebildern nicht richtig und muss durch das Einf├╝gen der richtigen Ziffer korrigiert werden.

Die Dachaufsicht zeigt die einzelnen Bauteile des Zur├╝stsatzes. Gegen├╝ber der Bauanleitung muss der mittlere Holm des Auflagebocks nicht zur Wagenmitte, sondern zum Wagenende montiert werden.

Am Tankwagen reduziert sich die Zur├╝stung auf die Komplettierung der Pufferbohle und das Anbringen des Verbindungsschlauches zum Pumpenwagen.

Nach dem Entfernen der Eigentumszeichen, dem Lackieren der Bauteile und dem Anbringen der Bremsecken pr├Ąsentiert sich der Tankwagen fabrikneu.

bzw. abgetrennten Nieten werden durch versenkte 0,3 mm Messingdrahtst├╝cke nachgebildet. Aus dem gleichen Material entstehen die Rangiergriffe unterhalb der Pufferbohle und die gekr├Âpfte Griffstange am linken Seitenholm. Die Pufferbohle erhielt Federpuffer mit Sockelplatten, eine funktionierende Kupplung mit Kupplungsflansch, einen Bremsschlauch und an der linken Seite auch einen Rangiertritt. Zwar besitzt das Vorbild - wie auch das Modell - keine Bremsen, jedoch ist davon auszugehen, da├č mit dem Hei├čdampf der Heizung die ├ľlpumpe des Wagens betrieben oder zumindest geheizt wurde. Zudem wurden am Modell Bremskupplungen verwendet, die als Bremsschlauch einen Silikonschlauch beigef├╝gt haben. So lassen sich die beiden Wagen sp├Ąter vorbildgerecht verbinden. Auf der anderen Seite wurden ebenfalls die Griffstangen, die Schlussscheibenhalter, die Stirnwand- und Rangiertritte abgetrennt. Die Stirnwandtritte kann man durch zwei Tritte aus Messingguss von Bavaria (Nr. 15.45) ersetzen. Die Pufferbohle erhielt neben Federpuffern neue Rangiergriffe, einen Bremsschlauch, eine Kupplung und an jeder Seite  einen Rangiertritt. Ebenso wurden an jedem Eckholm eine gekr├Âpfte Griffstange aus 0,3 mm Messingdraht und die Loklaternen (erst nach dem Lackieren montieren!) aus dem Zur├╝stsatz montiert. Bleibt noch zu erw├Ąhnen, dass an den vier Eckholmen unten Zurr├Âsen aus dem G├╝terwagenzur├╝stsatz (Nr.9254) von Weinert angebracht wurden. Nach der Vorgabe des Bausatzes sind mit Hilfe der beigepackten Schablone die Bohrungen und die ├ľffnung auf dem Wagendach zu erstellen.

Die Verbindung zwischen Tankwagen und Pumpenwagen wird durch einen flexiblen Schlauch hergestellt.

Die angebrachten Loklaternen erm├Âglichen n├Ąchtlichen S├Ągefahrten, mit denen das Einsatzgleis erreicht wurde

Jedoch ergab der Vergleich mit dem Vorbild, dass der mittlere Holm des St├╝tzbockes f├╝r den Schwenkarm nicht zur Wagenmitte, sondern zum Wagenende montiert werden muss. Ansonsten ist der sehr guten Bauanleitung mit der Explosionszeichnung Folge zu leisten. Es bleibt an dieser Stelle noch zu erw├Ąhnen, dass aufgrund des Vorbilds zwei zus├Ątzliche Ver├Ąnderungen am Wagenmodell vorzunehmen sind. So ist zum Einen auf der Seite, an der die dreistufige Aufstiegsleiter und die ├ľlzuleitung anzubringen sind, eine Griffstange in der Mitte der T├╝r├Âffnung zuzur├╝sten. Zum Anderen ist auf der gegen├╝berliegenden Seite eine L├╝ftungsklappe aus der Seitenwand zu entfernen. Diese fehlte beim Vorbild um ein bessere Bel├╝ftung des Wageninneren zu erzielen. Zu guter Letzt wurden dem Modell noch Ho-pur-Rads├Ątze aus dem BahnSinnShop spendiert. Da mit diesem Wagen keine grossen Streckenleistungen zu erwarten sind und durch die fehlenden Bremsen die Sicht freigegeben wird, ist der Anblick dieser vorbildgerechten Rads├Ątze ein Genuss.

Das fertige Betankungsgespann vor seinem ersten Betriebseinsatz au der Anlage

Farbgebung und Beschriftung

Wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, ist der Wagen bzw. sind die Wagenteile zu lackieren. Der Rahmen erh├Ąlt eine schwarze und der Wagenkasten eine rotbraune Lackierung. Diese kann sich auf die zuger├╝steten Teile

beschr├Ąnken. Die Lackierung f├╝r die Teile des Zur├╝stbausatzes ist der Bauanleitung zu entnehmen und dementsprechend durchzuf├╝hren. Diesen Arbeiten folgt die Neubeschriftung des Modells. Dem Bausatz liegen dazu Nassschiebebilder bei. Diese enthalten Beschriftungen sowohl f├╝r den Wagenkasten, als auch f├╝r den Rahmen. Leider ist die Wagennummer im Vergleich zum Vorbild nicht korrekt. Anstatt der ÔÇ×102 073“ trug der Wagen die Nummer ÔÇ×102 173“. Mit Hilfe anderer Wagenbeschriftungen von Weinert oder Ga├čner kann dieser Fehler jedoch korrigiert und auf dem Modell die richtige Nummer anbracht werden. Wenn nun alle Teile zuger├╝stet sind, ist dieser Wagen fertig und man kann sich dem Tankwagen zuwenden.

Der Tankwagen

F├╝r den Tankwagen fiel die Wahl auf das vierachsige Modell der Firma Piko (Nr. 54371). Auch dieses wurde mit einigen Artikeln der Weinert verfeinert. So erhielten auch hier beide Pufferbohlen Federpuffer (Nr. 8614) mit Sockelplatten (Nr. 8603), Rangiergriffe aus 0,3 mm Messingdraht (Nr. 9300), je eine Kupplung (Nr. 8633) mit Kupplungsflansch (Nr. 8643) und einen Bremsschlauch (Nr. 8286). Damit die Kupplungen vorbildgerecht funktionieren, sind auf der Unterseite des Wagens die vorhandenen Kurzkupplungs-Kinematiken zu entfernen. Aus dem Zur├╝stsatz des Bausatzes wird f├╝r diesen Wagen nur ein St├╝ck 0,7 mm Messingdraht zur Nachbildung des Schlauchflansches und einer Befestigungs├Âse f├╝r den Schlauch zur Verf├╝gung gestellt. Der Flansch findet seinen Platz an der Entleerungseinrichtung des Wagens. Ein kleines St├╝ck 0,3 mm Messingdraht wurde noch zus├Ątzlich als Ventilhebel auf dieser Einrichtung befestigt. Dabei ist darauf zu achten, da├č der Hebel auf der Seite mit dem angeschlossenen  Schlauch parallel zur Leitungsachse, und auf der anderen Seite quer zur Leitungsachse aufgeklebt wird. So werden die unterschiedlichen Ventilstellungen dargestellt. Die ├ľse bzw. der Schlauchhalter ist entgegen den Angaben der Bauanleitung nicht direkt auf der H├Âhe des Rahmens anzubringen. Den Vorbildabbildungen ist zu entnehmen, dass dieser Schlauchhalter aus einer Art beweglichem Hebel bestand und ein wenig h├Âher war. Dementsprechend muss der Halter ausgebildet und am Wagenmodell befestigt werden. Mit diesem Detail ist die Zur├╝stung abgeschlossen.

Der Schlosser erh├Ąlt die letzten Anweisungen um die Pumpe f├╝r den n├Ąchsten Einsatz vorzubereiten.

Einen Beschriftungssatz f├╝r diesen Tankwagen ist dem Bausatz nicht beigef├╝gt, aber auch nicht notwendig, da keine besondere Beschriftung den Fotos zu entnehmen ist. Jedoch tr├Ągt das Piko-Modell die Eigentumszeichen der Firma EVA. Diese sind auf dem Vorbildwagen nat├╝rlich nicht vorhanden und deshalb zu entfernen. Dabei ist Vorsicht geboten, denn handels├╝blicher Verd├╝nner wie z.B. von Revell l├Âst den vorhanden Farbauftrag ab und den darunter befindlichen Kunststoff an. Dies f├╝hrt zur Besch├Ądigung der Oberfl├Ąche, die sich nur schwer wieder instandsetzen l├Ąsst. Einfacher ist es die Hoheitszeichen mit feinem Nassschleifpapier (K├Ârnung ├╝ber 1.000) vorsichtig abzuschleifen. Bei diesem Arbeitschritt sind gleichzeitig die Gussn├Ąhte auf dem Beh├Ąlterscheitel zu entfernen. Jedoch wird auch durch diese Bearbeitung eine Neulackierung des Tankes notwendig. So werden der Tank steingrau (RAL 7030) und der Rahmen schwarz (RAL 9005) lackiert. Nach dem Trocknen der Farbe erh├Ąlt der Wagen noch Bremsecken aus dem Ga├čner- Beschriftungssatz G 390 und wird dann zusammengebaut. Bei diesem Modell wurden keine HO-pur-Rads├Ątze eingebaut, da die Drehgestellblenden den Blick auf die R├Ąder versperren. Jedoch sind die Spurkr├Ąnze auf RP 25 abgedreht und br├╝niert worden.

Beim Betankungsvorgang war Eile geboten, da der Aufenthalt des D-Zuges nur wenige Minuten dauern sollte.

Nach dem Betanken ist das Auslassventil des Tankwagens zu schlie├čen.

Betriebsalltag

Nat├╝rlich m├╝ssen auch diese Wagen dem Vorbild entsprechend mit Alltagsspuren versehen werden, um ihnen ein realistisches Aussehen zu verschaffen. Durch den rauhen und meist recht hektischen Einsatz trat die Pflege dieser Einsatzwagen in den Hintergrund. So sind Schmutz- und Rostspuren an den Fahrzeugen zu finden. Zus├Ątzlich sind beim Tankwagen auf den Vorbildfotos deutlich ├ľlspuren von dem Einf├╝llstutzen herab zu erkennen. Auch diese sollten im Modell umgesetzt werden.                                           Das so fertiggestellte Gespann kann nun aufgegleist und ├╝ber die Originalkupplung, dem Brems- und ├ľlschlauch verbunden werden. Sodann steht einer ersten ÔÇ×fliegenden“ Betankung oder einer Jungfernfahrt mit einer BR 56 – vielleicht auch von Weinert – nichts mehr im Wege.

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