ÔÇ×Fahrbare Rottenunterkunft der DB von Kr├╝ger Modellbau“

“Dem Wohle der schaffenden Rotte dienen...“

Ein kaum beachtetes, aber durchaus n├╝tzliches Bahndienstfahrzeug – die fahrbare Rottenunterkunft der DB.

So h├Ątte der Leitsatz f├╝r die Entwicklung einer fahrbaren, kosteng├╝nstigen Unterkunft f├╝r die auf der freien Strecke schaffenden Rotte lauten k├Ânnen. Es entstand ein einfaches, kosteng├╝nstiges, aber durchaus n├╝tzliches Fahrzeug, das Martin Kr├╝ger als Modell umgesetzt hat und nun hier vorgestellt wird.

Ende der F├╝nfziger Jahre suchte man nach einem festen, stabilen und leicht zu transportierenden Dienstfahrzeug f├╝r die auf der Strecke arbeitende Rotte. Es sollte menschenw├╝rdig und freundlich sein, um den Mitarbeitern einen Schutz vor der Witterung und eine Sitzm├Âglichkeit f├╝r die Pausen zu bieten. Dar├╝ber hinaus waren verschiedene Mobilit├Ątsmerkmale gew├╝nscht. So sollte es leicht transportierbar, schienenfahrbar und ins Gleis ein- und aussetzbar sein. .

Fahrbare Rottenunterkunft bei der DB

Die vorgegebenen Parameter, verbunden mit der Forderung nach geringen Beschaffungskosten, f├╝hrte zu der Entstehung der hier vorgestellten ÔÇ×fahrbaren Rottenunterkunft“ in Leichtbauweise. Dabei war diese Forderung nicht neu. Bereits Anfang des letzten Jahrhunderts hatte die preu├čische Staatsbahn eine fahrbare Rottenunterkunft im Einsatz, die jedoch nach 1923 von der neu gegr├╝ndeten DRB bzw. DRG nicht weiter verfolgt bzw. genutzt wurde

Der Bausatz von Krüger-Modellbahm umfasst ein Neusilber-Ätzblech, einen Beutel mit Kleinteilen, einen Bogen Nassschiebebilder und eine umfassende Baubeschreibung.

F├╝r einen ausreichenden Halt der Achstr├Ągerbleche sorgen feine Laschen die auf der Bodenplatte umgeknickt werden. Eine Beschriftung verhindert dass das Bauteil falsch eingesetzt wird.

Ende 1957 erprobte man nach einer kurzen Entwicklungs- und Bauzeit das erste Fahrzeug der Bauart REISS in der Bm N├╝rnberg Nord. Nach einer positiven Beurteilung und weiteren verschiedenen Ausf├╝hrungen entstanden Mitte der Sechziger Jahre zwei Bauarten f├╝r die Gleislager Wabern und Regensburg. Obwohl diese Ausf├╝hrungen nie offiziell definiert wurden, hatten alle Fahrzeuge ÔÇ×Wabern“ senkrechte Streben auf dem Aufbau, w├Ąhrend die Fahrzeuge ÔÇ×Regensburg“ keine Streben besa├čen.

Die Unterk├╝nfte hatten ein kleinr├Ądriges, zweiachsiges, ungebremstes Fahrwerk und wurden als Kleinwagen eingestuft. Somit fielen sie unter die Kleinwagenvorschrift DV 431 und waren nur f├╝r die Geschwindigkeit V/2 von 1o bis 3o km/h zugelassen. Eine einzuh├Ąngende Deichsel sorgte f├╝r die Verbindung mit einem Zugfahrzeug. F├╝r eine Bef├Ârderung mit h├Âheren Geschwindigkeiten mussten die Unterk├╝nfte auf Eisenbahnwagen oder Kfz-Kleinanh├Ąngern verladen werden. Dabei er├Âffneten seitlich angebrachte Ablaufrollen die M├Âglichkeit, die Fahrzeuge ├╝ber Hilfsrampen aus Profilstahl auf ein Nachbargleis oder den Erdboden abzusetzen. Mit einer handbedienbaren Hebeeinrichtung (Wie beim Klv 11 oder Klv 12) konnte das Fahrzeug auch von zwei Arbeitskr├Ąften auf die Schienen gesetzt werden. Angebrachte ├ľsen an den Ecken der Bodenplatte dienten als Anschlagpunkte zur Verzurrung oder zum Versetzen mit einem Kran. Der Dienstraum wurde mit einer Schiebet├╝re verschlossen. Er besa├č zwei Klappfenster mit verschlie├čbaren Fensterl├Ąden und eine Heizung.                                                       Die ÔÇ×offizielle“ Einsatzzeit der Unterk├╝nfte endete zwischen 1978 und 1980, jedoch sind mit viel Gl├╝ck heute noch vereinzelt abgestellte Fahrzeuge zu entdecken. Ebenso ist von einzelnen Fahrzeugen bekannt, dass diese museal aufgearbeitet wurden und so der Nachwelt erhalten bleiben.

Um die Rottenbude schleppen zu k├Ânnen, werden an der Bodenplatte ├ľsen zur Aufnahme einer Deichsel befestigt. Die Rollenhalter werden durch ein 2x2 mm Kunststoffprofil stabilisiert.

Die Seitenw├Ąnde werden an den Biegenuten gefaltet, miteinander verbunden und mit den Fensterblenden versehen. Die Schiebet├╝re mit F├╝hrungsschiene wird erst nach dem Lackieren montiert.

In den Schraubstock wird jeweils die schmale Kante des Daches eingespannt und dann das Dach abgewinkelt. Ansonsten kommt es zu weniger sch├Ânen Verformungen, wie hier zu erkennen ist.

Probeweise mit allen Bauteilen versehen und aufgegleist macht das Modell bereits vor dem Lackieren einen guten Eindruck.

Die Rottenunterkunft im Modell

Die Firma Kr├╝ger Modellbau (Finkenstra├če 10, 35232 Dautphetal,Tel. 06466/80104, www.krueger-modellbau.de) bietet f├╝r die Baugr├Â├če HO sowohl ein Modell der Bauart  ÔÇ×Wabern“ (Nr. HO 73052.1), als auch das Modell der Bauart  ÔÇ×Regensburg“ (Nr. HO 73052.2) zu einem Preis von je 65,oo Euro als Komplettbausatz in HO an. Fertigmodelle sind auf Nachfrage f├╝r etwa 14o,oo Euro erh├Ąltlich. Die Modelle von Martin Kr├╝ger bieten neben dem Vergn├╝gen des Zusammenbauens auch einige Funktions- oder Spielm├Âglichkeiten. So hat Herr Kr├╝ger das Fahrwerk rollf├Ąhig konstruiert, um es mit einem Triebfahrzeug auf die Strecke schicken zu k├Ânnen. Auch die seitlichen Ablaufrollen k├Ânnen funktionsf├Ąhig ausgef├╝hrt werden. Dies er├Âffnet die M├Âglichkeit das Absetzen ├╝ber eine Hilfskonstruktion auf ein Nachbargleis nachzustellen. Ebenso ist die stirnseitige Schiebet├╝re zu ├Âffnen und erm├Âglicht so verschiedene Betriebssituationen nachzustellen.

Der Bausatz besteht aus einer 0,2 mm dicken Neusilberplatine, einem T├╝tchen mit Kleinteilen und der ausf├╝hrlichen Bauanleitung. Aus der Platine sind die Hauptbauteile - die Bodenplatte, Seitenw├Ąnde und das Dach - ge├Ątzt. Des Weiteren findet man hier die Ausstattungsgegenst├Ąnde: Fenster mit Fensterladen, Schiebet├╝re mit F├╝hrungsschiene und beim Modell ÔÇ×Wabern“ die senkrechten Streben. In dem T├╝tchen sind die Radscheiben, Achsen, Abrollimitationen, ein Schornstein und die Beschriftung auf einem Bogen mit Nassschiebebildern zu finden.

Mit viel Gl├╝ck sind heute noch Fahrzeuge – meist im verwahrlosten und verschandelten Zustand – anzutreffen.

Zun├Ąchst trennt man die Bauteile aus der Platine und vers├Ąubert die Anschl├╝sse. Dabei ist darauf zu achten, dass die Bauteile (0,2 mm!) nicht verbogen werden. Der Bauanleitung folgend beginnt man mit der Bodeneinheit. Die Beschriftung – Kr├╝ger Modellbau – befindet sich an der Unterseite. Zuerst werden die Seitenwangen nach unten gebogen. Dabei liegen, wie bei allen anderen Teilen auch, die Biegenuten immer auf der Innenseite! Dann folgen die seitlichen Absetzrollenhalter. Sie sind zur Bodenmitte rechtwinkelig umzubiegen. Die Seiten der Halter werden dann so nach unten gebogen, dass sich ein ÔÇ×U“ bildet. In dieses ÔÇ×U“ sind die in der Kleinteilt├╝te zu findenden Rollenwalzen einzukleben. Wer die Rollen funktionell gestalten m├Âchte, sollte ein Messingr├Âhrchen mit 1 mm Durchmesser und etwas 0,5 mm dicken Draht zur Verf├╝gung haben. Ist das Messingrohr auf das Zwischenma├č der Rollenhalter (~ 3,5 mm) abgel├Ąngt, l├Ąsst es sich m├╝helos auf dem Messingdraht in den Haltern einf├╝gen. Die notwendigen Bohrungen f├╝r den 4,5 mm langen Messingdraht  sind bereits in den Rollenhaltern vorhanden! Vor dem ersten Testrollen ist es jedoch ratsam zwischen der Bodenplatte und den Rollenhaltern kurze 2x2 mm gro├če Kunststoffst├╝cke (z.B. Evergreen) einzukleben, um die Halter gegen umknicken zu stabilisieren.

Die innenliegenden Fensterrahmen sind nicht Inhalt des Bausatzes und entstehen aus einem transparenten Folienstreifen und feinen Kunststoffprofilen in Eigenregie.

Eine Profilstahlkonstruktion erm├Âglichte der Rotte ihre Unterkunft von einem Anh├Ąnger auf das Nachbargleis oder dem Erdboden abzusetzen.

Sind die Achshalter aus der Bodenplatte nach unten gebogen, kann man sich den Radblenden zuwenden. Diese befinden sich auf einem separaten Blech, welches auf dem Bodenblech befestigt wird. Dazu sind zun├Ąchst die Radblenden aufzurichten und die Haltenasen nach unten zu biegen. Dann wird das Blech – den Hinweisen folgend - in die Bodenplatte eingesetzt und die Haltenasen zur Befestigung umgebogen. Ein Verkleben oder Verl├Âten ist nicht notwendig, da diese Verbindung dauerhaft ist.Als n├Ąchster Schritt stehen die gew├Ąhlten Verfeinerungen an. So k├Ânnen an der Seite ├╝ber der sich sp├Ąter die Schiebet├╝re befindet, zwei ├ľsen – Kupplungshaken (Art.-Nr. 4356) von Weinert – zur Aufnahme einer Deichsel (Art.-Nr. 4353 Weinert) angebracht werden. Der Abstand der ├ľsen wird durch die Breite der Deichsel definiert. Auch an den L├Ąngsseiten befinden sich beim Vorbild ├ľsen f├╝r den Krantransport oder zur Sicherung beim Abrollen von einem Anh├Ąnger. F├╝r diese Nachbildung eignen sich die Kettenringe (Art.-Nr.15.57) der Firma Bavaria aus Roth.

Weinert Modellbau bietet die passenden Farben zur vorbildgerechten Farbgebung an.

Damit sind vorerst die Arbeiten an der Bodenplatte abgeschlossen. Die Achsen mit den Radscheiben werden erst sp├Ąter, nach dem Lackieren, eingebaut, jedoch k├Ânnen diese bereits vorbereitet und probeweise eingesetzt werden. Daf├╝r ist der beigef├╝gte 0,8 mm dicke Messingdraht auf 18,5 mm abzul├Ąngen und die Radscheiben vorsichtig aufzustecken.                Als n├Ąchstes Bauteil stehen die Seitenw├Ąnde an. Diese bestehen aus einer Platte, die zu einem Viereck zu biegen ist. Zuvor sollte man jedoch das beigef├╝gte Verbindungsblech einseitig anl├Âten. Dann sind zuerst die oberen Laschen nach innen zu biegen, um die Seitenw├Ąnde ein wenig gegen ein unbeabsichtigtes Verbiegen zu stabilisieren. Nun k├Ânnen die Seitenw├Ąnde an den Nuten gebogen, zu einem Viereck geschlossen und verl├Âtet werden. Danach ist noch die untere F├╝hrungsschiene f├╝r die Schiebet├╝re zweimal abzuwinkeln, w├Ąhrend die obere F├╝hrungsschiene erst nach dem Lackieren eingesetzt wird. Vor dem Lackieren sind auch an der Schiebet├╝re die oberen F├╝hrungen und das Schlossblech umzubiegen. Im letzten Schritt werden in die ge├Ątzten Vertiefungen der Seitenw├Ąnde die Fenster und beim Modell ÔÇ×Wabern“ die senkrechten Verstrebungen eingeklebt. Damit sind die Seitenw├Ąnde fertig und man wendet sich dem Dach zu.

Deutlich sind die Bauartunterschiede zwischen den noch unbeschrifteten aber bereits lackierten und zuger├╝steten Modellen zu erkennen.

Die schon sehnlichst von den Arbeutern erwartete Unterkunft wird auf einem ÔÇ×Kla 03“ zur Betriebsstelle der Gleisbaurotte an der Strecke gebracht.

Das Dach besteht ebenfalls aus einem Blech. Die glatte, unstrukturierte Seite ist oben. Die Seitenr├Ąnder werden an der Nut nach unten gebogen. Da sie nur eine geringe H├Âhe haben, gestaltet sich dies recht schwierig. Am besten funktioniert dies, wenn man die Seitenr├Ąnder nacheinander im Windm├╝hlenprinzip (bereits abgewinkelte Seiten stehen seitlich ├╝ber) in einen Schraubstock einspannt und dann das Dach vorsichtig umbiegt. Bei diesem Prinzip bleibt eine Seite ├╝ber. Dies sollte m├Âglichst eine kurze Seite sein, die dann so vorsichtig mit einer Flachzange umgebogen wird, dass sich das Dach nicht verformt. Zum Schluss ist nur noch der Kamin einzukleben.                                           Nachdem alle Teile entfettet sind erfolgt die Grundierung (Art.-Nr. 2698 Weinert). Die Bodeneinheit erh├Ąlt einen schwarzen (Art.-Nr. 2646 Weinert) Farbauftrag, w├Ąhrend die Seitenw├Ąnde und die Schiebet├╝re mit Laufschiene goldgelb (RAL 1004, Art.-Nr. 2603 Weinert) lackiert werden. F├╝r diese Arbeiten empfiehlt sich der Einsatz einer Spritzpistole um eine m├Âglichst glatte Oberfl├Ąche f├╝r die Nassschiebebilder zu erhalten. Die Innenseiten der Seitenw├Ąnde werden mit einem dunkeln Grau (Revell 77) abget├Ânt, damit diese bei einem Blick durch das Fenster nicht silbern schimmern.

Die Hilfskonstruktionen – im Modell aus Kunststoffprofilen – werden zusammengebaut und ausgerichtet.

├ťber die Ablaufrollen wird die Rottenbude abgelassen. Ein Seil, das an den an der Bodenplatte angebrachten ├ľsen angeschlagen wird, sichert die Unterkunft.

Nun kann die Deichsel durch eine ÔÇ×Stange“ befestigt und die Rotenunterkunft angeh├Ąngt werden. F├╝r eine sichere Fahrt empfiehlt es sich das Modell mit einem Gewicht zu beschweren!

Die fahrbare Rottenunterkunft konnte auch als Magazin dienen

W├Ąhrend der Trocknungszeit k├Ânnen noch zus├Ątzlich Fenster nachgebildet werden. Auf der Innenseite der Fenster├Âffnungen befinden sich beim Vorbild wei├če, zu kippende Fensterrahmen mit einem durchsichtigen Glaseinsatz. F├╝r die Nachbildung ben├Âtigt man ein St├╝ck Fensterfolie von 1,o x 1,6 mm. Hierauf werden wei├če Evergreen-Kunststoffprofile o,5 x 1,o mm geklebt. Dabei sollte das Innenma├č des Fensters 8,o x 5,5 mm betragen. Anschlie├čend ist der Rahmen matt wei├č (Revell Nr.5) zu streichen.

Vor dem Zusammenbau des Modells sind die Fenster einzukleben, um sich sp├Ąter nervige Fummeleien zu ersparen. Nun k├Ânnen die Seitenw├Ąnde auf die Bodenplatte geschoben und mit etwas Sekundenkleber fixiert werden. Dann ist die Schiebet├╝r aufzulegen und die F├╝hrungsschiene einzukleben. Bevor das Dach verklebt wird, sind die Nassschiebebilder aufzubringen. Da die Tr├Ągerfolie sehr d├╝nn ist, schneidet man die Beschriftung nicht allzu eng aus und legt zuerst die breite Seite – mit dem ÔÇ×DB“ – auf, damit die Folie sich nicht umfaltet. Ein Mattlack├╝berzug sichert die Beschriftung und l├Ąsst die Tr├Ągerfolie unsichtbar erscheinen. Dann sollte noch ein St├╝ck Schwermetall auf der Bodenplatte befestigt werden,  um f├╝r einen sicheren Fahrbetrieb zu sorgen. Zu dem nat├╝rlich auch geh├Ârt, dass die vorbereiteten Achsen vorher eingesetzt werden.

Zum Schluss k├Ânnen noch die Absetzrollen silbern abgesetzt und je nach Alter der Unterkunft entsprechende Verwitterungsspuren aufgebracht werden. Dann steht dem ersten Einsatz als Anh├Ąnger, Ladegut oder dekorativer Blickfang an der Strecke nichts mehr im Wege. 

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