„Hoch auf dem gelben Wagen…

Die Firma Bavaria, hinlĂ€nglich bekannt als Kleinserien-hersteller feiner Eisenbahnfahrzeuge, hat auch ein reichhaltiges Angebot an mitunter sehr interessantem Zubehör. So fĂŒhrt Jörg Kebbel auch seit neuestem zwei verschiedene Postkarren in seinem Programm.

Die grĂ¶ĂŸeren Postkarren waren eigens fĂŒr die posteigenen Straßenbahnen konstruiert und durch ihre beiden schwenkbaren Achsen sehr beweglich.

Das Vorbild

FĂŒr die Zuordnung und den innerbetrieblichen Verkehr hatte die deutsche Post verschiedene, fahrbare BehĂ€lter mit unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe angeschafft. Sie waren auf die BedĂŒrfnisse der Post zugeschnitten. So auch das Vorbild des Post-Einsatzkarren fĂŒr Straßen- und Eisenbahnen. FĂŒr den Transport der Post zwischen dem innerstĂ€dtischen Hauptpostamt und dem Hauptbahnhof wurden in verschiedenen deutschen Metropolen zwischen 1900 und 1959 Straßenbahnen eingesetzt. WĂ€hrend man zunĂ€chst umgebaute Fahrgastwagen benutzte, folgten 1926 neu konstruierte vierachsige Straßenbahnen. FĂŒr diese Fahrzeuge wurden neue Einheitspostkarren konstruiert, um die Be- und Entladung rationell durchzufĂŒhren. Bei diesen zweiachsigen Karren waren beide Achsen mit einer Deichsel ausgestattet und schwenkbar. Durch das Arretieren der Deichseln setzte man die Achsen fest. Diese Konstruktion ermöglichte ein vielseitiges Rangieren auf engsten Raum der recht voluminösen Karren und war so ein ideales Transportmittel fĂŒr die Straßen- und Eisenbahn.

WĂ€hrend die kleineren Kastenwagen vorwiegend fĂŒr die Sortierarbeiten und den Transport von PostsĂ€cken innerhalb der PostgebĂ€ude oder –bereiche dienten, waren die grĂ¶ĂŸeren Karren fĂŒr den Weitertransport prĂ€destiniert.

FĂŒr den Betrieb innerhalb der GebĂ€ude besaß die Post kleinere Kastenwagen mit perforierten SeitenwĂ€nden. Sie wurden von der SĂŒddeutschen Waggonfabrik GmbH hergestellt und dienten vornehmlich fĂŒr das Sortieren und den Transport von PostsĂ€cken. Die StirnwĂ€nde waren doppelt so hoch wie der GrundbehĂ€lter. Dadurch konnten die PostsĂ€cke bis zur Oberkante der StirnwĂ€nde gestapelt und dabei leicht von der Seite be- und entladen werden. Die Karren waren dreirĂ€drig mit einer zweirĂ€drigen Starrachse und einem schwenkbaren Einzelrad.

Der linke Bausatz besteht aus einem Messing-Ätzblech und ist fĂŒr einen Postkarren (1.17), wĂ€hrend der rechte Bausatz aus zwei Blechen besteht und zwei Kastenwagen ergibt.

Die BausÀtze

Die unterschiedlich dĂŒnnen Blechen enthalten zum einen die Bauteile der Konstruktion und zum andern die feinen FĂŒllbleche.

Den Post-Einsatzkarren fĂŒr den Straßen- und Eisenbahnverkehr bietet BAVARIA (Dipl.-Ing. Jörg Kebbel, Brunnauer Weg 44 in 91154 Roth – 09171-60951) unter der Artikelnummer 10.17 fĂŒr 5,50 Euro (zzgl. Versand) an. Der Komplettbausatz fĂŒr einen Wagen besteht aus einem o,3 mm dicken Messing-Ätzblech und einem Messingdraht fĂŒr die Achsen. Die umfassende Bauanleitung, die auch Bilder des Einsatzes im Straßenbahnverkehr enthĂ€lt, stellt einen vor die Wahl, dass Modell zu kleben oder zu löten. Bei unserer Montage wurde eine Kombination aus beiden Verbindungen angewandt. ZunĂ€chst lötet man den Wagenkasten der Bauanleitung entsprechend zusammen. Beim Verbinden der SeitenwĂ€nde empfiehlt es sich den Wagenkasten in einen kleinen Schraubstock einzuspannen, um die SeitenwĂ€nde rechtwinkelig zu verlöten. Die Bodenplatte klebt man auf, um Sie besser ausrichten zu können, da Sie seitlich ĂŒbersteht.

Die Drehgestelle wurden aus StabilitĂ€tsgrĂŒnden wieder verlötet. Die RĂ€der sind aufzudoppeln. Dabei ist zu beachten, dass vier Radreifen profiliert und vier nicht profiliert sind. Somit werden jeweils ein profilierter und ein nicht profilierter Radreifen zusammen geklebt.

FĂŒr die farbliche Gestaltung eignet sich nach der Grundierung (2698), das Goldgelb (RAL 1004 / 2603) von Weinert. Abschließend werden die Radreifen, die Scharniere und die Feststeller der Deichseln schwarz abgesetzt. Danach wird das Modell zusammengesetzt und ist fertig.

Dem Lademeister der Post standen verschiedene Transportfahrzeuge zur VerfĂŒgung, die es nun auch als Modell von BAVARIA gibt.

Schnell sind die Modelle im Rohbau fertig gestellt. Aus StabilitĂ€tsgrĂŒnden sollte dabei zum Lötkolben oder FlammenlötgerĂ€t gegriffen werden.

Die kleineren Postkarren sind unter der Nummer 10.18  erhĂ€ltlich. Der Komplettbausatz fĂŒr zwei Modelle kostet 8,00 Euro. Auch hier ist der Versand hinzuzurechnen. Der Verpackung sind zwei Neusilber-Ätzbleche zu entnehmen. Das Blech mit den Konstruktionselementen hat eine Dicke von o,3 mm, wĂ€hrend die perforierten Seitenblech nur o,1 mm dick sind. Auch bei diesen Modellen ist der Zusammenbau sehr gut in der Baubeschreibung dargestellt. Lediglich bei den StirnwĂ€nden fehlt der Hinweis, dass die Ă€ußeren, ausgeformten Knotenbleche die untere Rahmenseite sind. Ansonsten lĂ€sst sich auch dieser Zusammenbau recht schnell und einfach Bewerkstellen. Nur die RĂ€der sind etwas „grenzwertig“. So gelang es nicht, die filigranen Bauteile unbeschĂ€digt aus dem Ätzblech zu lösen. Gegenfalls sind sie durch dĂŒnne Kunststoffscheiben aus einem Rundstab zu ersetzen. Die Farbgestaltung ist analog den Einsatzkarren auszufĂŒhren.

NatĂŒrlich beförderte auch die Bahn die GĂŒter der Post. Auch hier dienten die Postkarren als gern gesehene Helfer.

Nach dem Entfetten und grundieren mit Weinerts Haftgrund, erhalten die Modelle einen gelben Farbauftrag (RAL 1004).

Die beiden filigranen Postkarren bieten neben einem kurzweiligen Bastelspaß auch eine weitere Gestaltungsmöglichkeit in unserer Modellwelt. So lassen sich nun auch verschiedene Szenen mit dem mittlerweile reichhaltigen Fahrzeugangebot aus den Zeiten der Deutschen Reichspost oder der jungen Bundespost nachstellen. FĂŒr die Darstellung von Beladungsszenen im Straßenbahnverkehr bietet (Falls nicht zwischenzeitlich ausverkauft!) die Deutsche Post Philatelie (www.deutschepost.de/postcollection) Poststraßenbahnen in der Epoche II + III an.

Die Beladung

NatĂŒrlich mĂŒssen die Modelle auch beladen werden. Hier wird man bei der Firma KoTol-Hobby Modellbahn aus Berlin fĂŒndig. Dort werden verschiedene PostsĂ€cke und Postpakete angeboten. Alle Produkte sind aus Naturmaterialen in aufwendiger, deutscher(!) Handarbeit hergestellt. Ein Blick auf die Internetseite               – www.kotol.de – lohnt sich hier auf jeden Fall!

Beladen und in der entsprechenden Szenerie lassen sich verschiedene Situationen darstellen. So bieten gerade die Einsatzkarren mit Ihren beiden Achsen beweglichen Drehgestellen verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten.

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