Und noch ein Russe.....

„Niederbordwagen XXtro 39 von Krüger Modellbau“

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Entstanden aus Neusilber-Ätzblechen, der Niederbordwagen XXtro 39 von Krüger Modellbau.

Basierend auf dem Flachwagen SSyl 19 entwickelte die russische Eisenbahn auch einen Niederbordwagen. Martin Krüger hat es den Konstrukteuren gleich getan und aus seinem SSyl 19 den Niederbordwagen XXtro 39 entwickelt.

Ähnlich wie die Flachwagen sind auch etliche dieser Niederbordwagen während des zweiten Weltkrieges nach Deutschland gekommen. Sie wurden nach dem Krieg als XXtro 39 in den Wagenpark der jungen deutschen Bundesbahn aufgenommen. Bedingt durch die atypische Bremsanlage der Bauart Mutrossow, wurden auch diese Wagen frühzeitig aus dem frei verfügbaren Wagenpark in den Dienstgüterverkehr übernommen. Hier wurden sie für den Transport von Oberbaumaterial, wie Schwellen und Schotter, herangezogen. Einige Wagen sind auch an Privat- oder Werksbahnen veräußert worden.

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Wie schon beim Flachwagen SSyl 19 sind die Hauptbauteile aus einem Neusilberblech geätzt. Prägnanter Unterschied sind die Bordwände an der Ladefläche.

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Während die Stützdreiecke beim SSyl 19 einfach nur eingesteckt und verklebt wurden, müssen beim XXtro 39 die eingesteckten Laschen noch nach außen gefaltet werden, bevor man sie verklebt.

Der Bausatz

Im Zuge der Entwicklung und Konstruktion eines Wagenmodells liegt es nahe, auch weitere Modellvarianten in Erwägung zu ziehen bzw. zu berücksichtigen. So machte es auch Martin Krüger als er seinen Flachwagens SSyl 19 konstruierte und hier auch schon die Ausführung als Niederbordwagen im Visier hatte. Dabei fügte er nicht nur die Bordwände hinzu, sondern entwickelte auch einige Bauteile seines Flachwagens weiter, um verschiedene Arbeitsabläufe zu vereinfachen bzw. das Modell zu perfektionieren.

Der Niederbordwagen XXtro 39 ist unter der Artikelnummer 63265 im Direktvertrieb bei der Firma Krüger Modellbau in Dautphetal (www.krueger-modellbau.de) zu beziehen. Wie bei dem Bausatz des Flachwagens, den wir bereits im EisenbahnKurier ??/2011 vorgestellt haben, besteht auch dieser Bausatz in seinen Hauptbestandteilen aus Neusilber-Ätzblechen. Während nahezu alle Bauteile identisch zum Flachwagen sind, fällt die um die Bordwände erweiterte Ladefläche direkt ins Auge. Hier sind an allen vier Seiten, Bordwände die in einer ausgeklügelten Falttechnik aufgestellt werden, angefügt. Da ansonsten nur kleine bauartbedingte Änderungen und technische Weiterentwicklungen bei diesem Wagenmodell vorhanden sind, fassen wir uns bei der Baubeschreibung entsprechend kurz und verweisen auf den oben genannten Beitrag über den Flachwagen Ssyl 19.

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Die Längsträger werden mit den Imitationen der Querträger, den Schmierkästen, den Rungentaschen und den Bindeösenhaltern bestückt.

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Die Pufferbohle wird mit den Stützdreiecken, den Rungentaschen und dem Kupplungssockel ausgestattet. Wer nicht mit der mitgelieferten Kurzkupplungskinematik fahren will, kann noch einen Originalkupplungshaken und einen Bremsschlauch von Weinert zurüsten.

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Anstatt der Verstärkungsdreiecke montiert man auf den Längsträgern Abstützungen für die Bordwände, die ähnlich wie die Rungentaschen erst gefaltet und dann eingeklebt werden.

Der Unterwagen

Begonnen wird mit dem Unterwagen. Hier ist das Blech mit der Nummer 2 herauszutrennen und zu versäubern. Nach dem Falten der Seitenwangen und der Pufferbohlen, werden mit einem Flammenlötgerät die Drehgestellschrauben aufgelötet. Über die Schrauben stülpt man dann  die zu einem „U“ gefalteten Drehgestelllager (30) und verklebt diese. Dann wendet man sich zunächst den Pufferbohlen zu und komplettiert diese mit den Puffern, den Stützdreiecken, den Rungenhaltern und den Kupplungssockeln. Dabei werden die Stützdreiecke nun nicht mehr wie beim Flachwagen nur gefaltet und eingeklebt, sondern durch umzulegende Enden an den Einstecklaschen zusätzlich stabilisiert und gehalten.

Die Längsträger werden analog zum Flachwagen mit folgenden Anbauteilen bestückt: Querträgerimitationen, Schmierkästen, Bindeösenhalter und die zu faltenden Rungentaschen. Hier sind die Querträgerimitationen weiterentwickelt. Sie erhielten kleine Haltelaschen, die nach dem Einstecken in den Längsträger, umgebogen werden und so weiteren Halt bieten. Wie beim Flachwagen, werden die Bindeösen, erst nach der farblichen Gestaltung, in die Halter eingelegt. Wer den Flachwagen bereits gebaut hat, vermisst bei diesem Bauschritt die Verstärkungsdreiecke am Längsträger. Sie werden beim Niederbordwagen nicht angebaut. Stattdessen setzt man dort die Halter (41) für die Bordwände ein. Diese sollten jedoch zunächst noch zurück gelassen werden, da die feinen Stege zu leicht abbrechen können.

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Durch eine ausgeklügelte Falttechnik sind die Bordwände im Handumdrehen um die Ladefläche aufgestellt und ausgestaltet.

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Auch vor der farblichen Gestaltung sind die vielen filigranen Details des Niederbordwagens deutlich zu erkennen.

Nun wendet man sich nochmals der Pufferbohle zu und muss sich entscheiden, ob man den Wagen über die beigefügten Kurzkupplungskinematiken oder über Originalkupplungen kuppeln möchte. Entscheidet man sich für die zweite Variante, steht noch der Erwerb der Kupplungen und der Nachbildung der Bremsschläuche, zum Beispiel von Weinert, an.

Im letzten Arbeitsschritt folgen nun die an den Wagenenden anzuordnenden Tritte (9) und am Längsträger die besagten Halter (41) für die Bordwände. Damit die feinen Stege nicht so leicht abbrechen, empfiehlt es sich diese an den Haltern mit etwas Lötzinn zu stabilisieren. Danach fixiert man alle Klebestellen auf der Wagenunterseite, also im nicht sichtbaren Bereich, mit Zweikomponentenkleber.

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Die Nahaufnahme bringt die feinen Strukturen auf den Scharnieren der Bordwände zutage. Beeindruckend sind auch die freien Bindeösen.

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Die Seitenansicht zeigt die vielen feinen Details, wie die freien Bindeösen oder die Stützen für die Bordwände.

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Die V60 schiebt den Niederbordwagen zu seiner nächsten Transportaufgabe. Die Verwitterungsspuren tragen zum realistischen Aussehen bei.

Der Oberwagen

Nachdem die Arbeiten am Unterwagen abgeschlossen sind, trennt man den Oberwagen aus dem Ätzblech und versäubert die Verbindungsstellen. Danach faltet man vorsichtig zunächst die Seitenwände an den Längsseiten. Dabei werden die Nachbildungen der Scharniere nicht so weit gebogen, sodass sie auf der Bordwand aufliegen. Zuvor wird erst das Halteblech vorsichtig abgetrennt und dann klebt man die Scharniere einzeln mit Sekundenkleber auf die Bordwand. Dabei ist darauf zu achten, dass die Scharniere senkrecht stehen. Im Übrigen sind an den jeweils dritten Scharnieren die unten überstehenden Bereiche abzuschneiden, da sie sonst beim Zusammenbau mit den Rungenhaltern am Unterwagen kollidieren. Diesen Arbeiten folgen dann noch die Stirnwände, die nur zweimal gefaltet werden müssen.

Farbgestaltung und Montage

Eine erste Stellprobe zeigt, ob der Unter- und Oberwagen nahtlos zusammenpassen und der nächste Arbeitsgang – die farbliche Gestaltung vorgenommen werden kann. Sollte dies der Fall sein, wird zunächst mit der Spritzpistole ein Haftgrund (z.B. Weinert 2698) aufgebracht. Danach erhalten der Unterwagen, die Drehgestelle und die noch nicht montierten Bindeösen eine schwarze Lackierung (z.B. Weinert 2646), während die Ladefläche Holzfarben (Model Master 1735) eingefärbt wird. Nachdem die Ladefläche durchgetrocknet ist, wird sie abgeklebt und die Bordwände Rotbraun (RAL 8012 / z.B. Weinert 2643) lackiert.

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Nachdem die Ladefläche holzfarben lackiert worden ist, muss sie abgeklebt werden, damit die Bordwände in dem für Aufbauten üblichen Rotbraun (RAL 8012) abgesetzt werden können.

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Aufgrund der problematischen Bremsanlage wechselten viele XXtro 39 im Laufe ihrer Einsatzzeit aus dem freiverfügbaren Fahrzeugpark in den Dienstgüterverkehr.

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Nachdem die Farbe durchgetrocknet ist, erfolgt die Beschriftung auf den Längsträgern mittels Nassschiebebildern und die Bindeösen werden in die Halter eingefädelt.

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Im letzten Arbeitsgang sind dann die Beschriftungen in Form von Nassschiebbildern aufzubringen. Sie sind eng entlang an der Beschriftung auszuschneiden und nach einem Wasserbad auf den Längsträger zu schieben, auszurichten und mit einem Wattestäbchen anzudrücken. Dann sind noch die Bindeösen einzufädeln und die Ösenhalter zu schließen, bevor der Unter- und der Oberwagen miteinander mit Sekundenkleber-Gel verklebt werden.

Abschließend trägt man noch nach Belieben und gewünschter Intensität Verwitterungsspuren auf…

Auch dieses filigrane und sauber durchgestaltete Modell wird mit Sicherheit ein Blickfang in der Modellwelt sein. Und das nicht nur, weil es sich um eine Splittergattung handelt, sondern weil viele feine Details den Blick des Betrachters anziehen und verweilen lassen.

Bevor der Wagen mit Witterungsspuren versehen wird und eine Beladung erhält, zeigt er sich im frischen Farbenkleid der jungen DB.

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Als Dienstgutwagen wurde der Niederbordwagen auch vielfach im Baudienst eingesetzt und transportierte Schotter oder Schwellen.

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Die Drehgestelle (552) sind vom amerikanischen Hersteller Kadee und sind mit einer funktionierenden Federung ausgestattet.

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