ÔÇ×Zur├╝ck in die Zukunft“  

Zum ersten Mal bietet Bavaria verschiedenen G├╝terwagen der Epoche III, eingestellt bei der Deutschen Bundesbahn, an.

Wie die ├ťberschrift bereits andeutet, stellt sich beim bayrischen Kleinserienhersteller BAVARIA ein Wandel ein. Mit drei G├╝terwagen der jungen Deutschen Bundesbahn wagt der L├Ąnderbahnexperte, J├Ârg Kebbel, einen Vorsto├č in die ÔÇ×Zukunft“ - die Epoche IIIa. Dem Wagnis auf der Spur, stellen wir die Wagen hier einmal vor.

Der chronologischen Entwicklung folgend stellt der Kleinserienhersteller BAVARIA (Dipl.-Ing. J├Ârg Kebbel, Brunnauer Weg 44 in 91154 Roth – 09171-60951) nun auch G├╝terwagen, die bereits zu L├Ąnderbahnzeiten entwickelt und gebaut worden sind, in der Ausf├╝hrung der Deutschen Bundesbahn vor. So sind im neuen Katalog 2007/2008 zum ersten Mal drei Fertigmodelle mit dem Hoheitszeichen der DB aufgef├╝hrt.

Der Ausschnitt zeigt die vielen filigranen Details, wie die Achsaufnahme, die Rangiergriffe und die feinen, noch nicht abgebauten Rungentaschen.

Der ehemalige bayrische Rungenwagen der Bauart Sl pr├Ąsentiert sich nun mit der Gattungsbezeichnung R 02 der DB.

Der Blick von halb oben zeigt den strukturierten Ladeboden und die farblich abgesetzten Innenseiten.

Beim ersten Wagen handelt es sich um den Rungenwagen mit der DB-Bezeichnung R 02 (Art.-Nr. 9.01.1). Der Wagen entspricht der bayrischen Bauart Sl und wurde erstmals 1890 gebaut. Er entstand auf der Basis des f├╝r 12.500 kg gebauten Wagens nach Blatt IIc 10 der preu├čischen Normen. Die Zug- und Sto├čeinrichtungen entsprachen den Bedingungen der technischen Vereinbarung des VDEV. Der Unterwagen war aus Stahl. Dabei lagen die L├Ąngstr├Ąger in einer Flucht mit den Tragfedern. Der Achsstand betrug 6.500 mm und der Wagen wurde mit und ohne Bremse gebaut. Die Seitenw├Ąnde bestanden aus Holz und waren in drei Segmente unterteilt. Auf jeder Stirnseite stecken zwei und auf den L├Ąngsseiten jeweils acht h├Âlzerne Rungen in entsprechenden Taschen. Der Wagen hatte keinen unteren Bodenrahmen, sodass sich der Boden nur auf den Kastenst├╝tzen abst├╝tzte. An diesen waren auch die unteren, aus Flachstahl bestehenden, Rungentaschen befestigt. In der gebremsten Ausf├╝hrung besa├č der Wagen eine Bremserb├╝hne mit einem Bremserhaus mit seitlich abfallenden Pultdach. Die Wagen erhielten bei der Deutschen Reichsbahn die Gattungsbezeichnung ÔÇ×Stuttgart“.

Vor dem hellen Hintergrund kommt das Sprengwerk aus feinen Messingprofilen richtig zur Geltung.

Der zweite Wagen ist ein Privatwagen der chemischen Fabrik ÔÇ×Seltsam┬┤s Nachfolger“ (9.02.1), der bei der DB eingestellt ist. Sicherlich l├Ąsst der Name die Vermutung zu, dass es sich um ein Fantasieunternehmen handelt, aber wie dem Katalog zu entnehmen ist und auf Nachfrage nochmals ausdr├╝cklich best├Ątigt wurde, ist der Wagen nach einem konkreten Vorbild konstruiert worden. Es handelt sich um einen Knochenwagen. Die Konstruktion kann ihre Verwandtschaft zu den Klappdeckelwagen nicht leugnen, jedoch besitzt der Wagen f├╝r eine gute Durchl├╝ftung seines Ladegutes perforierte Seitenw├Ąnde. Die Klappdeckel wurden im Verlauf seiner Einsatzzeit demontiert. Ebenso verlor der Wagen sein Bremserhaus auf der Bremserb├╝hne. Daf├╝r besitzt er noch seine Druckluftbremse.

Auch dieser Wagen ist bayrischen Ursprungs und wurde im bayrischen Wagenverzeichnis von 1911 erstmals aufgef├╝hrt.

Auch aus der Vogelperspektive machen die drei Wagen eine gute Figur und man entdeckt immer wieder neue Details.

Hier pr├Ąsentieren der gedeckte G 02 (links) und der Knochenwagen (rechts) stolz ihre aufwendigen aber vorbildgerechten Fahrgestelle.

Der Dritte im Bunde ist ein zweiachsiger, gedeckter G├╝terwagen, ein G 02. Der Wagen (9.03.1) entspricht der bayrischen Bauart nach der Zeichnung 260 und wurde 1892 zum erstenmal gebaut. Typisch f├╝r die bayrische Ausf├╝hrung ist die Anzahl und Bauart der Fenster- bzw. L├╝ftungs├Âffnungen, ebenso die Form der Seitent├╝ren. Der Wagen tr├Ągt das Revisionsdatum 12.4.1952. Dem Datum und damit Alter entsprechend, hat er bereits einige ├änderungen ├╝ber sich ergehen lassen m├╝ssen. So besitzt der Wagenkasten jeweils in den Endfeldern eine Diagonalstrebe mit Knotenblechen um die Kr├Ąfte in L├Ąngsrichtung besser kompensieren zu k├Ânnen. Ebenso ist die nach dem ersten Weltkrieg nachger├╝stete Bremsanlage – wahrscheinlich eine Kunze-Knorr-G├╝terzugbremse – wieder abgebaut worden, um den Wartungsaufwand zu verringern. Ab diesem Zeitpunkt stand der Wagen auch nur noch als Leistungswagen zur Verf├╝gung. Mit diesem R├╝ckbau verschwand auch das auf das Dach ragende Bremserhaus mit dem Tonnendach. Zeugen dieser ehemaligen Ausstattung sind der an einer Stirnseite vorhandene ├ťberstand des Unterwagens, ebenso die auf dieser Seite schr├Ąg nach oben bis zum Dach ansteigenden Griffstangen. Mitte der F├╝nfziger Jahre wurde die Mehrzahl der Wagen in den Bereitschaftspark ├╝bernommen. Dies wurde durch ein Dreieck mit einem ÔÇ×B“ welches neben dem Gattungszeichen angebracht wurde, kenntlich gemacht. Die Wagen wurden bis 1960 ausgemustert oder ├╝berlebten vereinzelt noch als Bahnhofswagen.

Der Knochenwagen ist ein bei der DB eingestellter Privatwagen, der aus einem Klappdeckelwagen entwickelt wurde.

Der Wagen besitzt dem Revisionsdatum entsprechend kein Bremserhaus mehr, jedoch ist die Druckluftbremsanlage fein nachgestaltet.

Wie bei Bavaria ├╝blich bestehen alle drei Modelle aus verschiedenen Messingmaterialien. Neben feinen Profilen und ├ätzblechen wurden Gussteile zu einen exzellenten Modell zusammen gef├╝gt. So sind die Unterwagen aus verschiedenen Doppel-T- und U-Profilen zusammengesetzt. Sie wurden mit einander verl├Âtet und geben so der mit einer ange├Ątzten Holzstruktur versehenen Bodenplatte aus Messingblech die notwendige Stabilit├Ąt. Feine Achsbleche nehmen die RP25-Rads├Ątze mit den Achsnarben auf. Dem Standart eines Kleinserienherstellers entsprechend, sucht man unter dem Wagen vergeblich eine Kurzkupplungskinematik. Denn alle Wagen sind vorbildgerecht mit abgefederten Schraubkupplungsnachbildungen und gefederten H├╝lsenpuffern ausger├╝stet. Die obligatorischen Rangiergriffe runden die Grundausstattung der Pufferbohlen ab. W├Ąhrend die Unterwagen alle schwarz lackiert sind, bestechen die Aufbauten mit einem seidenmatten Finish in rotbraun. Die Ladefl├Ąche des Rungenwagens und die Innenseiten des Knochenwagens sind in einem Gr├╝ngrau abgesetzt. Auch die Beschriftung l├Ąsst keinen Wunsch offen und sticht jede Gro├čserienproduktion durch Ihr filigranes und lupenreines Schriftbild aus. Das die Wagen und insbesondere die Konstruktion nahezu ma├čstabgerecht sind, braucht man bei Bavaria nicht extra zu erw├Ąhnen, da dies eine Grundphilosophie des bayrischen Kleinserienherstellers ist.

Bei allen drei Modellen ist die Beschriftung, wie hier auf den gro├čen Tafeln des Knochenwagens, sehr fein und lupenrein ausgef├╝hrt.

Trotz der zu ├Âffnenden Ladet├╝ren weist der Wagen keine Inneneinrichtung auf. So k├Ânnen Ladeszenen nur bedingt nachgestellt werden.

Der gedeckte G├╝terwagen entspricht wie bereits angef├╝hrt, der bayrischen Bauartvariante. Wie das Revisionsdatum verr├Ąt, stellt es den Wagen in der Variante Anfang der f├╝nfziger Jahre dar und ist deshalb, im Gegensatz zum Wagen der Reichsbahngesellschaft, mit den Diagonalstreben in den Endfeldern ausgestattet. Ebenso wurden hier auch die Bremsanlage und das Bremserhaus abgebaut. Zu erkennen ist dies an dem an einer Seite ├╝berstehenden Unterwagen und die nicht demontierten Griffe auf der Stirnseite. F├╝r einen Leitungswagen ├╝blich ist der Wagen mit Bremsschl├Ąuchen und einer Druckleitung versehen. Zudem deutet das ÔÇ×B“ in einem Dreieck seitlich des Gattungszeichens darauf hin, dass der Wagen bereits in den Bereitschaftspark ├╝berstellt worden ist. Unterhalb der T├╝ren sind auf den L├Ąngsseiten jeweils feine Tritte angebracht. Dagegen vermisst man auf der nicht ├╝berstehenden Seite des Unterwagens die Rangiertritte. Diese fehlen hier g├Ąnzlich und die auf der anderen Seite angebrachten Tritte scheinen nicht dem originalen Bauzustand zu entsprechen, da das ├╝berlieferte Bildmaterial hier an der Stirnseite angebrachte Rangiertritte zeigt. Jedoch wird dies bei der gro├čen Anzahl an seiner Zeit angeschafften Wagen auch von Wagen zu Wagen unterschiedlich gewesen sein.

Der tiefe Aufnahmestandpunkt l├Ąsst das Modell wuchtig erscheinen. An der Stirnseite sind noch die Griffstangen des bereits abgebauten Bremserhauses vorhanden.

Auch wenn das Kuppeln mit den Originalzugverbindungen nicht allt├Ąglich ist, ist der Wagen nicht nur f├╝r das Abstellgleis geschaffen.

Das Modell des Rungenwagens verf├╝gt ├╝ber eine Bremserb├╝hne, die jedoch au├čer Funktion ist. Dem Alter des Wagens entsprechend, sind die ehemals vorhandene Bremsanlage und das Bremserhaus demontiert und der Wagen zum Leitungswagen zur├╝ck gebaut worden. So sind auf jeder Seite die Nachbildungen eines Bremsschlauches mit einer verbindenden Bremsleitung vorhanden. Die fehlende Bremsanlage wird jedoch durch das filigrane aus feinen Messingprofilen bestehende Sprengwerk mehr als ausgeglichen. Neben den Bremsen wurde der Wagen auch seinen Rungen entledigt, w├Ąhrend die Rungenhalter alle noch vorhanden sind. Herr Kebbel merkt zur Ausstattung des Wagen an, dass es auch hier eine entsprechende Vorbildaufnahme gibt.

Der Knochenwagen, ebenfalls mit einer Bremserb├╝hne ausgestattet, verf├╝gt noch ├╝ber eine Druckluftbremse. Auch hier sind alle Details vorbildgerecht und somit sehr filigran nachgestaltet. So liegen die Bremsbacken in Radebene und vorbildgerecht eng an der Radlauffl├Ąche an. Nat├╝rlich fehlen die Bremsdreiecke ebenso wenig, wie die Druckluft-Bremsanlage. Bestechend sind bei diesem Wagen die perforierten Seitenw├Ąnde. Sie sind absolut gleichm├Ą├čig und sauber mit kreisrunden feinen L├Âchern versehen. Ebenso auffallend sind die freistehenden Beschriftungstafeln an den Seitenw├Ąnden. Auf sauber lackierten Tafeln findet man die dem Vorbild nachgestalteten Beschriftungen. Zudem ist selbst auf der Wageninnenseite die Profilierung der Seitent├╝ren entsprechend nachgebildet.

Auch die Innenfl├Ąchen der seitlichen Wagent├╝ren, ebenso wie der Ladeboden,  sind strukturiert nachgebildet.

Zusammenfassend muss man feststellen, das die Modelle auf einem sehr hohen technischen Niveau konstruiert und gefertigt worden sind. Sie sind funktionell und k├Ânnen auch im Betriebsalltag eingesetzt werden. Einem Kleinserienmodell entsprechend, findet man alle Attribute die es ausmachen, ob es nun die feinen RP25-Scheibenr├Ąder oder die allseits freistehenden Griffstangen aus o,3 mm dicken oder vielmehr d├╝nnem Messingdraht sind. Allein die Nachbildung der T├╝rmechanismen fordert schon ein dickes Lob und l├Ąsst die Hoffnung aufkeimen, dass noch viele Modelle folgenden werden.

Wem der durchaus gerechtfertigte Preis f├╝r die Fertigmodelle von 190,00 Euro; 195,00 Euro und 175,00 Euro je nach Wagenmodell zu hoch erscheint, muss sich noch etwas gedulden, denn zum Jahresende erscheinen Komplettbaus├Ątze der vorgestellten Modelle. So wird einem neben der Ersparnis von 100,00 Euro und einem Supermodell, auch geh├Âriger Bastelspa├č geboten.

Sicherlich wird sich der ein oder andere noch feine zu ├Âffnende Zettelhalter von Weinert oder Petau nachr├╝sten wollen, aber der Fertigungsgrad, die Verarbeitung, das seidenmatte Finish und nicht zuletzt die saubere Beschriftung lassen diese Modell schnell zu einem Wunschmodell reifen

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