„Abstellgleis oder Planzug ?“

Nun ist er endlich da! Der vorbildgerechte und maßstĂ€bliche G10 von der Firma Brawa. Aber bei all der Freude ĂŒber dieses Modell; Was geschieht nun mit den gescholtenen Wagen der anderen Hersteller? Um sie nicht gleich aufs Abstellgleis zu schieben oder in irgendeiner Kiste verschwinden zu lassen, können sie uns doch als Übungsobjekt dienen. So zeigen wir, an dem vor einigen Monaten erschienen G10 mit verkĂŒrztem Bremserhaus von Roco, was gemacht werden kann.

RocoÂŽs G10, als nicht maßstĂ€blich gescholten und deshalb aufs Abstellgleis geschoben oder doch ein tolerierbares Fahrzeug?

Das Vorbild

Über den G10 informierte der EisenbahnKurier (9/2006) im Rahmen der Neuvorstellung des Brawa-Modells. Da die Wagen mit Bremserhaus dort nur am Rande erwĂ€hnt wurden, hier noch einige Anmerkungen.

Die Wagen die mit Handbremse ausgestattet waren, besaßen auch gleichzeitig eine Druckluftbremse. Bei diesen Wagen war auf der Seite auf der sich die Handbremse befand, das Untergestell um 300 mm verlĂ€ngert. Der Wagenkasten hatte die gleichen Abmessungen, wie bei den normalen Wagen. Die Bremse befand sich in einem hochgestellten HĂ€uschen, welches ĂŒber das Dach des Wagens ragte. Ein beidseitig angebrachter Leiteraufgang mit geschwungenen Griffstangen ermöglichte den Zutritt.

Nach dem zweiten Weltkrieg waren die Wagen alle in einem schlechten Zustand. Neben den undichten SeitenwĂ€nden hatten die Wagen mit Bremserhaus auch undichte DĂ€cher im Bereich der HĂ€uschen zu beklagen. Um dieses zukĂŒnftig zu verhindern, wurden bei einem Teil der Wagen die Handbremse und damit das komplette BremserhĂ€uschen entfernt. Dabei blieb der einseitige Überstand des Untergestells erhalten. Bei dem anderen Teil kĂŒrzte man die BremserhĂ€uschen so weit ein, dass sie nicht mehr ĂŒber das Dach ragten. Der Kurbelbereich wurde dann mit einer halbrunden Blechabdeckung vor der Witterung geschĂŒtzt. Bis 1965 sind alle G10 mit Bremserhaus ausgemustert worden.

Der G10 mit kurzem Bremserhaus von Roco frisch aus der Packung, mit bereits zugerĂŒsteten Signalscheibenhaltern.

Das Modell besteht aus bemerkenswert vielen Einzelteilen…

Das Roco-Modell

Roco hat den gedeckten GĂŒterwagen mit dem eingekĂŒrzten Bremserhaus im letzten Herbst als Modell vorgestellt (Art.-Nr. 66245). WĂ€hrend der Wagenkasten immer noch zu hoch ist, zeigt uns der Messschieber, dass alle LĂ€ngenmasse nahezu maßstĂ€blich umgesetzt sind. So ist das Untergestell des Wagens auf der einen Seite vorbildgerecht verlĂ€ngert und dort mit einem hochgestellten Bremserhaus ausgestattet worden. Leider sind an dieser Seite des Wagenkastens die Positionen der Schlussscheibenhalter nicht auch verĂ€ndert worden, obwohl hier an der richtigen Stelle Markierungen graviert sind. So sind die Halter nach wie vor auf den Eckprofilen zu finden, obwohl sie unter dem Dach angeordnet und von dort bis ĂŒber das Dach gekröpft sein mĂŒssten. Zudem sind die Griffstangen in Position und GrĂ¶ĂŸe nicht richtig nachgebildet. Sie gehören auf die LĂ€ngs- und nicht auf die Stirnseiten. Zudem weisen Sie beim Vorbild unterschiedliche LĂ€ngen auf. Ansonsten sind alle Details sehr filigran und richtig nachgebildet.

Am Fahrgestell liegen die Bremsbacken in Radebene eng an und am LĂ€ngstrĂ€ger sind auch die WagenkastenstĂŒtzen nachgebildet. Auf der Bremserhausseite sind die Auftritte wie bei einer BremserbĂŒhne ausgebildet, wĂ€hrend man auf der anderen Seite beidseitig Rangiertritte findet.

Die Pufferbohle erhĂ€lt viele edle ZurĂŒstteile von Weinert Modellbau

FĂŒr die Darstellung der BremsgestĂ€nge werden die Bremsbacken durchbohrt. Der Lösezug von Weinert komplettiert den Unterwagen.

Am Wagenkasten zieht das hochgestellte Bremserhaus alle Blicke auf sich. Das HĂ€uschen ist sehr fein graviert und weist viele Details auf. Bestechend sind hier die freistehenden, geschwungenen Griffstangen aus elastischem Kunststoff. Sie brechen nicht gleich bei der ersten BerĂŒhrung ab. Aber auch die Aufstiegsleitern sind vorbildgerecht nachgebildet und sehr fein. Die Schlussscheibenhalter liegen dem Modell bei und mĂŒssen nachgerĂŒstet werden.

Als Modellvariante ist die AusfĂŒhrung mit entferntem Bremserhaus, aber lĂ€ngerem Untergestell, denkbar. FĂŒr die Epoche II – AusfĂŒhrung mĂŒsste ROCO ein vergrĂ¶ĂŸertes Bremserhaus konstruieren.

Um die feinen Strukturen des Wagenkastens aufzuwerten, werden die angravierten Griffstangen an der WagentĂŒr mit dem Stichel abgehoben und durch dĂŒnnen Messingdraht ersetzt. Ebenso wird der Zettelkasten ersetzt.

Er muss ja nicht gleich neben dem neuen G10-Modell von BRAWA eingereiht werden, dann kann man vielleicht auch die „viel“ zu große Wagenhöhe tolerieren.

Pufferbohle, Griffstangen, Rangiertritte

Die Verfeinerung beginnt mit dem Zerlegen des Modells. Danach wenden wir uns erst dem Unterwagen zu und rĂŒsten zunĂ€chst die Pufferbohle auf. So werden die Kunststoffpuffer herausgezogen, die Löcher auf 2,2 mm aufgebohrt und dann der Kunststoffpuffer mit Sockelplatte komplett abgetragen. Hier finden Federpuffer mit Sockelplatten ihren Platz. Dabei mĂŒssen die Befestigungszapfen der seitlichen Rangiertritte (Bremserhausseite) gekĂŒrzt werden, um den Federweg der Puffer nicht zu behindern. Rangiergriffe aus o,3 mm dickem Messingdraht mit einer Griffbreite von 6 mm werden an der Unterseite befestigt. Damit die Auslenkung der Kupplungsaufnahmen durch die Griffe nicht behindert wird, sind die Aufnahmen an der Oberseite zu befeilen! Auf der dem Bremserhaus gegenĂŒberliegenden Seite werden an den Außenseiten der Pufferbohle die Kunststoff-Rangiertritte durch Messingguss-Pedanten ersetzt. Wahlweise kann man auch die Kurzkupplung demontieren und Originalkupplungen mit Kupplungsflansch und die BremsschlĂ€uche angebracht werden.

FĂŒr die Nachbildung der BremsgestĂ€nge durchbohrt man die Bremsbacken und klebt ein StĂŒck Messingdraht mit o,5 mm Dicke und 20,5 mm LĂ€nge ein. Die Tritte unter den TĂŒren und deren Halterungen werden dĂŒnner gefeilt und wieder angebracht. Mit dem Anbringen des Lösungszuges an der Bremsanlage sind die Arbeiten am Unterwagen - sofern man nicht auch die RĂ€der auf RP 25 abdrehen oder durch entsprechende RadsĂ€tze austauschen möchte - abgeschlossen.   

Bevor die filigranen Messingdrahtgriffe richtigerweise auf der Außenseite der Eckprofile des Wagenkastens angebracht werden, sind zunĂ€chst die alten Befestigungslöcher mit Zweikomponentenkleber aufzufĂŒllen. Feine DrahtstĂŒcke ersetzen die fehlenden Nieten.

Neben den neuen Griffen werden auch die Signalscheibenhalter und Rangiertritte an den Stirnseiten durch Messinggussteile von Weinert ersetzt und gleichzeitig richtig positioniert.

Das nicht alltÀgliche Bremserhaus wird kritisch beÀugt.

Das noch unlackierte Modell zeigt welche Teile korrigiert, verfeinert oder ersetzt worden sind.

Zur Imitation des mit Bitumen getrĂ€nkten Stoffdaches, wird eĂ­ne Lage eines Papiertaschentuches mit verdĂŒnntem Weißleim aufgeklebt.

Am Wagenkasten werden erst die angespritzten Details, die verfeinert werden sollen, vorsichtig mit einem schmalen Stichel abgeschabt. Dazu gehören auf jeder LĂ€ngsseite die beiden Griffe auf den SeitentĂŒren und die Zettelhalter. Auf der Bremserhaus abgewanden Seite sind es die beiden Rangiertritte ĂŒber den Puffern. Die Griffe auf den WagentĂŒren bildet man mit o,3 mm dicken Messingdraht nach und ersetzt die Zettelhalter durch die neuen BronzeblechĂ€tzteile von Weinert. FĂŒr die Rangiertritte auf den Stirnseiten wird man ebenfalls bei Weinert in Form von entsprechenden Messinggussteilen fĂŒndig. Dann werden die Griffstangen an den Wagenecken auf die Außenseiten verlegt. Zuvor fĂŒllt man die vorhandenen Befestigungslöcher in den Eckprofilen mit Zweikomponentenkleber auf und ersetzt fehlende Nieten durch eingeklebte DrahtstĂŒcke (o,3 mm). Nun werden die Löcher fĂŒr die verlegten Griffstangen auf den Außenseiten der Eckprofile gebohrt. Dabei betrĂ€gt die LĂ€nge der Griffstange an der Bremserhausseite 7,o mm und an der gegenĂŒberliegenden Seite 8,5 mm. Die untere Bohrung findet auf der Höhe der Fuge zwischen dem zweiten und dritten Brett der Seitenverkleidung ihren Platz. Die Griffstangen – o,3 mm Messingdraht - sind nach dem Einsetzen auf etwa 45° schrĂ€g nach außen zu biegen.

Frisch aus dem Wagenausbesserungswerk stehen die Wagen zu ihrem nÀchsten Einsatz bereit.

Da es das verkĂŒrzte Bremserhaus nur bei der DB gab, sind keine weiteren Beschriftungsvarianten zu erwarten.

Die filigranen Anbauteile und die Farbgebung bringen das Modell der realistischen Darstellung ein wenig nÀher.

Nun kommen die Schlussscheibenhalter an die Reihe. FĂŒr die abgewandten Seiten werden Halter mit Flansch benötigt. Dazu sind erst die vorhandenen Löcher auf o,8 mm aufzubohren und der Flansch um 90° - nach unten und oben – zu biegen. Befestigt werden sie mit Sekundenkleber, wie alle anzusetzenden Teile. Auf der Bremserhausseite sind die gleichen Bohrungen in den gravierten Quadraten auf den seitlichen, oberen Knotenblechen herzustellen. Hier werden dann die nach oben ĂŒber das Dach gekröpften Schlussscheibenhalter eingeklebt.

Zur Nachbildung des bitumengetrĂ€nkten Stoffdaches erhalten die DĂ€cher des Wagenkastens und des Bremserhauses je eine Lage eines Papiertaschentuches. Es wird mit wasserverdĂŒnntem Weißleim aufgeklebt und - um Falten zu vermeiden – mit einer Gummirolle angedrĂŒckt. Damit die „Dacheindeckung“ in der Kerbe des Bremserhauses beim spĂ€teren Zusammenbau auch genug Platz hat, ist die dachberĂŒhrende Kante des Bremserhauses ein wenig im Dachverlauf abzufeilen.

Die Farbgebung

Im nĂ€chsten Schritt folgt die farbliche Gestaltung. Dazu werden die angebauten Teile am Untergestell, am Wagenkasten und die DĂ€cher erst einmal in den Originalfarben beigearbeitet. Das heißt, dass alle zugerĂŒsteten Teile des Untergestells schwarz lackiert werden. Dabei sind zuvor die Anschriften mit MaskierflĂŒssigkeit abzudecken. Beim Wagenkasten kann man Kreppband zur Hilfe nehmen, um alle nicht zu lackierenden FlĂ€chen abzudecken. Sodann erhĂ€lt der Wagenkasten eine rotbraune Lackierung. Die DĂ€cher werden schwarzgrau – fĂŒr das bitumengetrĂ€nkte Stoffdach – lackiert.

Danach setzt man die verschiedenen Details farblich ab. So sind der zunĂ€chst weiß lackierte Bremshebel und der Ring des Lösezuges rot zu markieren. Am Wagenkasten mĂŒssen die Bremserecken weiß und das Anschriftenfeld um den neuen Zettelkasten schwarz beigearbeitet werden.

Über den Tellerrand bzw. ĂŒber die StĂŒtzmauer geschaut. Der bewegliche Zettelkasten von Weinert als Gestaltungselement…

Betriebsspuren

Soweit so gut, wenn man sich auf die Verfeinerung beschrĂ€nken will. Ansonsten kommt nun das Aufbringen der Betriebsspuren – Weathering, Altern – oder wie auch immer man es nennen möchte! Die Arbeitsschritte sind in den vorangegangenen BeitrĂ€gen immer wieder beschrieben worden und so beschrĂ€nken wir uns auch hier auf die Kurzform.

ZunĂ€chst steht erst einmal eine Pause an, um die Lackierungen durchtrocknen zu lassen. So sollten die drei Baugruppen noch nicht zusammengebaut werden und mindestens zwei Tage ruhen. Danach ist der Wagenkasten mit einem schwarzbraunen – stark verdĂŒnnten – Farbgemisch zu ĂŒberziehen. Dabei dient reichlich Waschbenzin als VerdĂŒnner. Im Bereich der Anschriften lĂ€sst man nur die Fugen voll laufen. Hierauf folgt der Einsatz der Spitzpistole mit umbragrau. Die Unterseite der Dachkanten, des Bremserhauses und die Bereiche der Laufschienen der WagentĂŒre erhalten eine umbrabraune Lasur. Der nun zu dunkel wirkende Wagenkasten wird in den FlĂ€chen mit Rotbraun – mit einem Schuss „Reinweiß“ versetzt – aufgehellt. Danach ist der Wagenkasten aus einiger Entfernung mit einem hellen Rost-Ton einzunebeln.

Mit dem gleichen Farbton werden die RĂ€der, die Bremsbaken (auch von der Innen- und RĂŒckseite) und die darĂŒber befindlichen Federpakete abgesetzt. Danach erhalten auch die restlichen Partien des Unterwagens einen leichten RostĂŒberzug.

Um nun noch einzelne Strukturen hervorzuheben, graniert man den Unterwagen und den Wagenkasten mit einem mittleren Grauton (Revell 77).

Mit dem helleren Grauton (75) wird auch das Dach graniert. So tritt die Struktur des Zellstoffes hervor und tĂ€uscht ein Stoffdach vor. Da die Wagen fast ausschließlich zur Dampflockzeit im Einsatz waren, sollte auf dem Scheitel noch eine Russspur in tiefschwarz aufgebracht werden.

Dann ist das Modell zusammen zu setzen und einer ersten Fahrt steht nichts mehr im Wege.

NatĂŒrlich macht all dies die unmaßstĂ€bliche Höhe des Wagenkastens nicht wett, aber es gibt uns die Möglichkeit unsere Fertigkeiten zu trainieren und dem Modell eine Daseinsberechtigung in einem der unendlichen GĂŒterzĂŒge der Epoche III zu bescheren.

Bauteile / Material / Werkzeug

Lieferant

Art.-Nr.

G 10 mit kurzem Bremserhaus - DB

ROCO

66245

Federpuffer Ø 4,3 mm

Weinert

8614 / 8615*

Sockelplatten fĂŒr Puffer

Weinert

8603 / 8596*

Kupplungs-Flansch fĂŒr Pufferbohle

Weinert

8643

Original-Kupplung, abgefedert

Weinert

8632** / 8633

BremsschlĂ€uche neue AusfĂŒhrung

Weinert

8293

Rangiertritte am Untergestell

Weinert

8737

Messingdraht Ø 0,3 m (Griffe)

Weinert

9300

Messingdraht Ø 0,5 m (Bremsen)

Weinert

9303

Lösezuge

Weinert

92704

Rangiertritte am Wagenkasten

Weinert

87029

Messingdraht Ø 0,3 m (Griffe)

Weinert

9300

Schlussscheibenhalter (Nur 2 Stck.)

Weinert

82621

Schlussscheibenhalter (Nur 2 Stck.)

Weinert

8263

Zettelhalter, kariert

Weinert

92542**

Farbe "Rotbraun"           RAL 8012

Weinert

2643

Farbe "Schwarz"           RAL 9005

Weinert

2646

Farbe "Schwarzgrau"     RAL 7021

Weinert

2635

Farbe "Umbragrau"        RAL 7022

Weinert

2636

Farbe "Weiß"                RAL 9010

Weinert

2649

VerdĂŒnnung

Weinert

2600

Anmerkungen:  *Großpackungen (20 Stck.) / **Bausatz

Hier stehen die beiden unterschiedlichen Wagenenden Kopf an Kopf und zeigen so anschaulich die verschiedenen AusfĂŒhrungen.

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