“Feines aus Echtholz”

Kabeltrommeln von KoTol

Ob als Bausatz oder als Fertigmodell, die aus Echtholz bestehenden Kabeltrommeln von KoTol sind ein echter Blickfang.

Eine kurzweilige Feierabendbastelei sind sie, die Kabeltrommeln des Berliner Kleinserienherstellers KoTol. Unter der Kategorie „Primus 87 – Finecut Modell“ werden zwei Kabeltrommeln als Bausatz angeboten. Wie leicht der Zusammenbau vonstatten geht, zeigt dieser Beitrag.

Egal ob als Ausstattungsgegenstand oder als Ladegut, die aus Echtholz zusammenzubauenden Kabeltrommeln sind ein echter Hingucker. Aus nur sechs Bauteilen werden die filigranen Spulen schnell zusammengefügt und überzeugen durch ihre Detailtreue.

So sind auf allen Seiten die Bretter nachgebildet. Auf den Außenseiten findet man die Nachbildungen der Verbindungselemente, die kreisförmig um die mittige Öffnung angeordnet sind. Sie sind leicht in die Oberfläche geprägt. An der mittigen Öffnung ist auch das Verstärkungsblech durch eine Prägung angedeutet. Ein besonderes Augenmerk verdient jedoch die Kabeldurchführung, die vorbildgerecht nachgebildet worden ist und dazu einlädt hier ein Kabel einzufädeln und festzusetzen…

Unter der Artikelnummer 87-680-0 wird der Bausatz, der Bauteile für gleich zwei Kabeltrommeln enthält, zu einem Preis von nur 3,95 Euro, zuzüglich der Versandkosten, angeboten. In den verschiedenen Plastikbeuteln findet man neben der Bauanleitung drei Holzplatinen und zwei Buchenrundhölzer. Die beiden großen Platinen, mit jeweils o,7o mm Dicke, enthalten zum einen die vier Außen- und zum anderen die vier Innenteile der äußeren Scheiben. Die Rundhölzer haben einen Durchmesser von 8 mm und eine Länge von 12 mm. Auf der kleineren Platine findet man die Nachbildungen des Bretterbelages, die auf die inneren Rollen, in der Fachwelt als „Kern“ oder Narbe“ bezeichnet, geklebt werden. Damit sie sich um das Buchenrundholz wickeln lassen, sind sie nur o,3o mm(!) dünn. 

Bei der Montage werden zuerst die äußeren Scheiben zusammen geklebt. Dazu sind die vier Teile entlang der roten Linien aus den Platinen zu trennen. Dann klebt man die Teile mit den jeweils gleichen Buchstaben mit der glatten Seite zusammen. Um die Scheiben später leichter aus den Platinenresten lösen zu können, ist es ratsam nur die Scheiben, ohne die äußeren Bereiche, zu verkleben. Als Kleber hat sich leicht verdünnter Weißleim bewährt. Zum Ausrichten der Teile sind jeweils an zwei gegenüberliegenden Ecken Löcher, in die man Zahnstocher stecken kann. Da die Löcher asymmetrisch angeordnet sind, fixiert man durch die Zahnstocher gleichzeitig die richtigen Seiten in der richtigen Lage miteinander. Beim Verkleben sind die Teile auf einer ebenen Unterlage zu beschweren, da Sie sich sonst durch die Feuchtigkeit des Klebers verziehen.

Damit die Buchenholzrollen später senkrecht auf die Seitenscheiben geklebt werden können, sollten die Kanten der Rollen vor und nach dem Aufkleben der Bretterimitationen mit einem Feilenstrich versäubert werden. Zunächst wird jedoch erst die Bretterimitation mit verdünntem Weißleim auf die Rolle geklebt. Während der Kleber trocknet, fixiert ein Gummiband die Bretterimitation auf der Narbe.

Aus nur sechs Bauteilen – je zwei Seiten-Außenteilen, zwei Seiten-Innenteilen, einer Narbe und einer Bretterimitation für die Narbe – besteht der Bausatz für eine Kabeltrommel.

Die Seitenteile werden mit der glatten Seite aufeinander geklebt. Durch Zahnstocher, die in die asymmetrisch angeordneten Löcher auf den Platinenecken gesteckt werden, justiert man die Einzelteile deckungsgleich.

Die hauchdünne Bretterimitation wird mit leicht verdünntem Weißleim auf die Narbe geklebt und mit einem Gummiband bis zum Abbinden des Klebers gehalten.

Nach einer entsprechenden Trockenzeit klebt man erst die Buchenholzrolle auf eine Seitenscheibe. Dies funktioniert mit Sekundenkleber-Gel gut und dauerhaft. Auch diese Klebestelle ist bis zum Abbinden des Klebers zu beschweren. Damit die Bretterfugen der beiden Außenscheiben sowohl auf den Außenseiten, als auch auf den um 90° versetzen Innenseiten, parallel verlaufen, sollte man die Seitenscheiben erst nach dem Verkleben auf der Mittelrolle aus den Platinenstücken trennen, denn über die geraden Kanten lassen sich so die Seiten prima ausrichten. Nach dem Heraustrennen versäubert man noch die Schnittstellen, bevor im letzten Schritt die Mittung und die Mitnehmer aufgebohrt werden. Als Mittung bezeichnet man die Öffnung die durch den Kern bzw. die Narbe führt. Die Mitnehmer sind die seitlichen Bohrungen im Bereich des Kerns. Mit Hilfe dieser Öffnungen können sich die Spulen, wenn sie sich auf einem Gestell befinden, weiterdrehen lassen. Die Mittung wird mit einem o,9 mm dicken Bohrer auf- bzw. durchgebohrt, während die Mitnehmer mit o,7 mm Durchmesser nur kurz eingebohrt werden. Damit sind die „Rohbauarbeiten“ abgeschlossen. Wer sich diese Arbeiten sparen will, erhält für nur 4,25 Euro, zzgl. Versandkosten, unter der Artikelnummer 87-680-1 auch eine Kabeltrommel als Fertigmodell.

Auch artfremde Leistungen, wie die Gestellung einer Sitzgelegenheit, werden von den filigranen Kabeltrommeln klaglos übernommen.

Während der Lademeister noch einen kritischen Blick auf die Ladung wirft und die letzten Sendungen in einen gedeckten Güterwagen geladen werden, streben die ersten dem Feierabend entgegen.

Vorbildgetreue Farbgebung

Über die Bauanleitung hinaus, können nun noch einige farbliche Akzente gesetzt werden. So sollten die auf den Außenscheiben angedeuteten Köpfe der Gewindestangen, die die Spule beim Vorbild zusammenhalten, markiert werden. Dies geschieht mit einem feinen Pinsel in basaltgrau (Revell 77). Dabei darf die Farbe nicht zu sehr verdünnt werden, da sie sich ansonsten nicht punktgenau auftragen lässt und in das umliegende Holz „zieht“. Neben den Köpfen ist auch die Metallverwahrung der Mittung abzusetzen. Danach können je nach Belieben noch Verwitterungsspuren aufgebracht werden. Dies geschieht beispielsweise mit verdünntem lederbraun (Revell 84), erdbraun (87) oder beige (89). Durch leichtes Anschleifen der Oberflächen mit feinem Schmirgelpapier (240er) oder einem Glasfaserstift tritt die Holzmaserung wieder hervor und verleiht so der Oberfläche ein plastisches Aussehen. Ein paar Nassschiebebilder mit Firmenbezeichnungen, Nummern oder Lieferscheinen aus verschiedenen Ausstattungssets von PREISER setzen weitere Akzente.

Während die Kabeltrommeln schon etwas betagter sind, leuchtet der „Brettermantel“ aus neuen Brettern. Hier sind die Befestigungsbleche für die Kabelenden an den Kabeldurchführungen zu erkennen.

Durch die sauber ausgearbeitete Kabeldurchführung lässt sich leicht ein Kabel einfädeln. Ein kleines Neusilberblechstück mit feinen Drahtstücken (o,2 mm) dient als Befestigungsmittel für das Kabelende.

Interessiert wird der Lieferschein studiert. Welche Aufgabe wird diese Kabeltrommel wohl als nächstes erfüllen? Auch wenn keine Aufgaben anstehen, sind sie doch ein sehr gut gelungenes Ausstattungsdetail von KoTol.

Individuelle Varianten

Neben der farblichen Gestaltung lassen sich natürlich auch noch weitere Varianten herstellen. So können die Spulen noch mit Kabeln bestückt werden. Bei den gezeigten Spulen wurde die schwarze Decoderlitze von BRAWA mit einem Außendurchmesser von o,8 mm (Art.-Nr. 32408) aufgezogen. Dabei beginnt man mit dem Einfädeln des Kabelendes. Um das Ende vorbildsgerecht zu sichern, wurde aus der Bastelkiste der Rest eines Neusilberbleches zurecht gefeilt und an die durch zwei Bohrungen gekennzeichnete Stelle geklebt. Um die Befestigung dieses Bleches nachzustellen, erfolgte an jedem Ende eine o,2 mm-Bohrung über den vorgestanzten Befestigungslöchern. Eingeklebte, kurze Drahtstücke fixieren das Blech. Durch dieses Detail wirkt die Kabeldurchführung noch authentischer!

Beim Vorbild werden hochwertige Kabel während des Transports geschützt. Dieser Schutz besteht zumeist aus einer Art Brettermantel, der zwischen den Außenscheiben auf dem Kabel angeordnet und durch Flachstahlbänder gehalten wird.

Nachdem die Kanten der Narbe mit einer Feile gebrochen worden sind, werden sie auf die Seitenteile geklebt. Die später zu entfernenden Außenteile der Platine dienen beim Verkleben der Teile zum justieren der parallel verlaufenden Bretterstruktur.

Um dies als Modell nachzustellen benötigt man Ringscheiben die auf die Innenseiten der Außenscheiben aufgeklebt werden und so als eine Art Auflage für den Brettermantel dienen. Der Außendurchmesser dieser Kreisringe sollte 15 mm und der Innendurchmesser etwa 10 mm betragen. Diese Schreiben kann man sowohl aus Pappe, oder wie in diesem Beitrag, aus 2 mm dickem Sperrholz herstellen. Dazu werden zunächst mit einem 10 mm dickem Bohrer Löcher mit ausreichendem Abstand in eine Sperrholzplatte gebohrt. Dann trennt man mit einem Zapfenschneider ( 15mm) die Scheiben aus dem Sperrholz. Dabei ist es nicht notwendig, dass die innere Bohrung absolut zentrisch in der äußeren Bohrung liegt. Denn die Innenbohrung besitzt mit 10 mm genügend Spielraum gegenüber dem Buchenrundholz, dem „Kern“, mit 8 mm Durchmesser, um Ungenauigkeiten auszugleichen. Die Ringe werden, bevor die Außenseiten mit der Rolle verbunden werden, auf die Innenseiten geklebt und ausgerichtet. Als Klebstoff wurde Sekundenkleber-Gel verwendet.

Weitere Verfeinerungen außerhalb der Baubeschreibung sind das Aufbohren der Mittelung und der Mitnehmer. Mit einem spitzen Pinsel werden die geprägten Verbindungsmittel grau abgesetzt.

Mit stark verdünnten Farben werden die Spulen eingefärbt, um sie anschließend mit feinem Schmirgelpapier oder einem Glasfaserstift wieder anzuschleifen. Nassschiebebilder aus Ausstattungssets von Preiser setzen letzte Akzente.

„Kabeltrommel wie in echt“. Viele Details lassen sich an dieser Kabeltrommel, die als Vorbild für das Modell gedient haben könnte, entdecken.

Akribisch werden Lieferschein und Bestellung kontrolliert, schließlich soll der Auftraggeber auch das richtige Kabel erhalten!

Für einen Brettermantel dienen Buchenholzringe als Auflager. Nach dem Kolorieren werden feine Lindenholzleisten aufgeklebt, die durch Metallbänder „gehalten“ werden.

Ein feines Detail sind die Nachbildungen der an den Seitenscheiben herausstehenden Gewindestangen, die die beiden Seitenscheiben verbinden. Der Kunststoffstreifen dient als Distanzstück, damit alle Drahtstücke gleich weit herausstehen.

Danach erfolgt der Zusammenbau der Kabeltrommel und, wenn gewünscht, die farbliche Gestaltung, wie sie oben beschrieben ist. Sie wird hier vor dem Einbau des Brettermantels durchgeführt, da der nur temporär benötigte Brettermantel meist aus neuen Brettern besteht, während die Kabeltrommeln meist schon länger im Einsatz sind. Deshalb weisen die Kabeltrommeln meist stärkere Verwitterungsspuren auf, als der Bretterschutz.

Für den Brettermantel wurden Lindenholzleisten mit dem Querschnitt von 1,5 mm Breite und 1 mm Dicke gewählt. Die Länge ergab sich aus dem vorhandenen Abstand der beiden Außenscheiben der Spule. Die kleinen Stücke klebte man mit Sekundenkleber-Gel auf die Ringe zwischen den Außenscheiben. Hierbei ist es wichtig, dass die Bretter fest aneinander gedrückt werden, damit sich keine großen Spalten zwischen den Brettchen bilden. Danach müssen noch die feinen Klebebänder (o,4 mm) mit den Verschlüssen (o,5 mm) auf den Brettermantel aufgebracht werden. Während die Bänder unbehandelt bleiben, sind die Verschlüsse silbern (Revell 91) abzusetzen. Da diese Spulen ja mit einem Kabel belegt sind, ist auch hier ein Stück durch die Kabeldurchführung zu fädeln und vorbildgerecht zu fixieren. Danach können noch die oben erwähnten Verfeinerungen mittels Nassschiebebildern angebracht werden, bevor die Trommeln in den „Einsatz“ entlassen werden.

Letzte Detais...

Und noch ein Detail: Beim Vorbild werden die Seitenscheiben durch Gewindestangen zusammengehalten. Diese Gewindestangen stehen an den Außenseiten ein wenig heraus. Bei der Modellspule lässt sich dies durch kurze Drahtstücke nachstellen. Dazu werden mit einer Nadel die Stellen angekörnt, feine Bohrungen mit o,3 mm Durchmesser erstellt und ein kurzes Messingdrahtstück eingesteckt. Um die Drahtenden alle gleich weit herausstehen zu lassen, wird in ein Kunststoffstreifen (0,25 x 2,5 mm) ein Loch gebohrt. Dies nutzt man als Abstandshalter indem man es über den Draht stülpt und dann den Draht in die Bohrung drückt. Ein Tropfen Sekundenkleber fixiert den Draht. Ein wenig Rostfarbe schließt die Arbeiten hier ab.

Neben den hier gezeigten Ausführungen lassen sich natürlich noch Ladegestelle oder Gestelle zum Abrollen der Trommeln herstellen. Ebenso lassen sich mit den Spulen unzählige Szenen gestalten. So können sie als Ausstattungsgegenstand ein Bw bereichern, als Ladegut zum Beispiel für den neuen elektronischen Bockkran dienen oder für eine Baustelle das neue Versorgungskabel liefern. Durch die vielen Details, die sich durch ihre dezente Zurückhaltung nicht aufdrängen und damit auch nicht überdimensioniert sind, wirken die Kabeltrommeln sehr vorbildgerecht und bereichern jede Anlage.

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