“Die kleinen Riesen”

Dreiradwagen von Weinert

Auch wenn es fraglich ist, ob ein Fahrzeug bis in die Epoche IV überlebt hat, so sind die Kleinen doch riesig, die Modelle des „Goliath Rapid“ von Weinert-Modellbau.

Im vergangenen Jahr kündigte das Neuheitenblatt des Kleinserienherstellers Weinert Modellbau aus Weyhe-Dreye das Modell des Dreiradwagens „Goliath Rapid“ an. Seit einigen Wochen ist der H0-Bausatz nun im Handel und wird im Folgenden hier vorgestellt.

Dieses Unikum, vorne Auto und hinten Motorrad, ist ein interessantes Fahrzeug, für das sich nur schwer eine Definition finden lässt. Aber losgelöst von dem Definitionsproblem waren sie sehr praktisch und haben den Aktionsradius von so manchem kleinen Gewerbebetrieb erheblich vergrößert. Die Firma Borgward baute diese Fahrzeuge als technische Neuentwicklung, nach dem Blitzkarren aus gleichem Hause, in der Zeit von 1926 bis 1933. Die ersten Modelle hatten je nach Motorversion eine Zuladung von 250 bis 300 kg. Hervorgerufen durch den größer werdenden Konkurrenzdruck verstärkte Borgward die Konstruktion und  steigerte 1931 die Zuladung auf 500 kg. Gleichzeitig erhielt der Goliath den Beinamen „Rapid“, um ihn von den Vorgängermodellen zu unterscheiden. Das Fahrzeug  besaß einen Einzylinder-Zweitaktmotor, der je nach Wunsch 200 oder 250 cm³ Hubraum und damit 4 bzw. 5,5 PS besaß. Die Kraft wurde über ein Zweiganggetriebe mit Rückwärtsgang und eine Kardanwelle auf das Hinterrad übertragen. Revolutionär war die von Borgward neu entwickelte Dreirad-Innenbackenbremse, die über ein Fußpedal auf die Vorderräder wirkte. Eine Handbremse wirkte auf das Hinterrad. Der zwischen den Vorderrädern angeordnete Laderaum war als geschlossener Kasten, als offene Pritsche oder als Haubenwagen mit einer Planenabdeckung erhältlich. Einen zweiten Sattel und einen Geschwindigkeitsmesser konnte man als Sonderzubehör bestellen. Mit einer möglichen Zuladung von beachtlichen 500 Kilogramm avancierte der „Goliath Rapid“ schnell zu einem beliebten Transportfahrzeug.

Diesem kleinen fleißigen Helfer haben Birgit und Rolf Weinert (www.weinert-modellbau.de) durch Ihr Modell vom Kastenwagen im H0-Maßstab ein Denkmal gesetzt und so ein weiteres interessantes Modell geschaffen.

Der Bausatz besteht nur aus wenigen Teilen. Für die Beschriftung ist ein Bogen mit Nassschiebebildern beigefügt, der insgesamt fünf verschiedene Varianten ermöglicht.

Bevor die Teile des Fahrzeugkorpus zusammengefügt werden, sind die Löcher für die Zurüstteile zu bohren. Da die Position der Pedale nicht angekörnt ist, sollten die Teile zur Probe zusammengefügt und so die exakten Stellen ermittelt werden.

Und wenn alles getan ist, lädt der kleine Riese auch zur Pause ein…

Beim Vorbild kostete der zweite Sattel einen Aufpreis von 36 Reichsmark.

Das Modell

Der Bausatz ist in der gewohnten dunkelblauen Pappschachtel unter der Artikelnummer 4589 zu einem Kaufpreis von 13,90 Euro im guten Fachhandel erhältlich. Eingeschweißt in einer Plastiktüte findet man die verschiedenen Gussbauteile und zwei Drahtstücke von 0,5 bzw. 1,0 mm Durchmesser. Ein Bogen Nassschiebebilder mit verschiedenen Beschriftungs-varianten komplettiert den Bausatz. Die Hauptbauteile für den Korpus des Fahrzeuges, und die Räder bestehen aus Weißmetall, während man an einem Messinggussbaum weitere Details wie das Lenkrad, die Lampen, die Pedale, den Schalthebel, die Handbremse und die Nachbildung von zwei Satteln findet.

Zunächst werden die Messingteile vom Gussbaum getrennt und alle Teile versäubert. Im nächsten Arbeitsschritt sind in den Weißmetallteilen an den angekörnten Stellen  die Löcher für die Ausstattungsgegenstände mit den in der Bauanleitung angegeben Durchmessern aufzubohren. Bei dem vorliegenden Bausatz fehlten die Markierungen für die Pedale. Um hier die richtige Position zu erhalten, sollten die Bauteile einmal zusammengefügt werden und an der Verbindungsstelle markiert werden. So erkennt man, ab welcher Stelle nach hinten die Bohrungen angesetzt werden können. Wenn alle Bohrungen erstellt sind erfolgt der Zusammenbau des Korpus. Dazu sind die beiden Weißmetallteile an der Verbindungsstelle mit Sekundenkleber zusammenzufügen und mit einer Klemme zu halten.

Um die Verbindung zwischen dem Fahrzeugkasten und dem hinteren Antriebsbereich zusätzlich zu stabilisieren, werden die im Verbindungsbereich vorhandnen Bohrungen durchgebohrt und mit kurzen Drahtstücken (Ø 1 mm) fixiert.

Die vordere Achse mit den beiden Rädern und das hintere Rad werden zur Probe vor dem Lackieren eingepasst, um spätere Überraschungen zu vermeiden.

Um dieser Verbindungsstelle eine größere Stabilität zu verleihen, können auf der Unterseite an zwei gekennzeichneten Stellen mit einem ein Millimeter großen Bohrer zwei Löcher erstellt werden. In diese Löcher wird dann jeweils ein kurzes Messingdrahtstück eingeklebt. Danach passt man die Zurüstteile zur Probe einmal ein, ohne sie zu verkleben. Vor der farblichen Behandlung sind nun noch die Oberflächen zu polieren und wenn er nicht benötigt wird, die Körnung für den hinteren Sattel zu verspachteln.

Im nächsten Arbeitsschritt sind die Bauteile zu reinigen und dann mit Weinert Haftgrund (2698) zu grundieren. Die farbliche Gestaltung des Grundkörpers ist abhängig von der gewählten Beschriftung. Weinert gibt dazu in der Bauanleitung die verschiedenen Farbtöne detailliert an.  So kann das Modell „Beige“ (RAL 1015 / 2606), „Rot“ (RAL 3002 / 2611) oder „Grün“ (RAL 6002 / 2624) lackiert werden. Die anzubauenden Teile sind je nach ihrer Funktion farblich zu gestalten. So werden die Lampen zunächst im gleichen Farbton wie der Korpus lackiert, um dann in weiteren Arbeitsschritten den Lampenreflektor weiß und die Lampeneinfassung silbern abzusetzen. Auch die Räder erhalten zwei Lackierungen.

Vor dem Lackieren werden alle Anbauteile erst einmal zur Probe montiert. Der Farbauftrag erfolgt danach jedoch am Modell und den verschiedenen Anbauteilen getrennt voneinander.

Während die Narbe „Rot“ (RAL 3002 / 2611) spritzlackiert wird, sind die Reifen matt schwarz mit einem Pinsel einzufärben. Die Pedale, der Schalthebel und die Handbremse können schwarz gestrichen werden, während der Sattel „Lederfarben“ (ModellMaster 1735) lackiert wird. Am Korpus werden die beidseitigen Trittflächen silberfarben abgesetzt

Nachdem die Bauteile nun gut durchgetrocknet sind, werden die Nassschiebebilder aufgebracht. Der Bauanleitung folgend wird das jeweilige Schiebebild erst zehn Sekunden in ein lauwarmes Wasserbad gehalten, eine Minute auf eine nicht saugende Unterlage  durchweichen lassen, um dann das Schiebbild vorsichtig mit einem Zahnstocher auf das Modell zu schieben. Mit einem Wattestäbchen wir es dann angedrückt. Danach können sie noch mit Weichmacher bestrichen werden, der nach einer kurzen Einwirkzeit direkt wieder abgetupft wird. Die Schiebebilder werden am nächsten Tag mit einem dünnen Lacküberzug geschützt

Im letzten Arbeitsgang ist das Fahrzeug zu komplettieren. So werden die Pedale, das Leckrad, die Handbremse, ebenso wie der Schalthebel und der oder die Sättel in die gebohrten Löcher geklebt. Dies geschieht schnell und dauerhaft mit Sekundenkleber. Je nach Belieben können nun noch dezente Alterungsspuren angebracht werden.

Die Weinert-Jungs erhalten nur eine feine Bemalung. Alternativ entstanden aus verschiedenen Preiserlein neue Piloten für die kleinen Flitzer.

Passgenau im Sattel, machen sie einen guten  Eindruck, die zusammengebauten Piloten.

Je nach Beschriftungsvariante sind nach einer Säuberung und Grundierung unterschiedliche Farben aufzutragen. Verschiedene Details werden farblich abgesetzt.

Nach einer Trockenzeit sind die Zurüstteile und die Nassschiebebilder mit der Beschriftung anzubringen.

Die Scheinwerfer werden außen in Wagenfarbe lackiert, während vorne der Reflektor weiß eingefärbt wird. Ein um den Reflektor ausgeformter Ring kann silbern abgesetzt werden.

Die Fahrerfiguren

Nun fehlen noch die aus Weißmetallguss bestehenden Piloten. Sie werden ebenfalls grundiert und dann mit verschiedenen Farben lackiert. Eine Alternative kann aus den Figuren der Firma Preiser hergestellt werden. Leider wird man hier nicht direkt fündig, sodass die Figuren aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt werden müssen. Für den Oberkörper sind die Radfahrer (z.B. 10091 oder 10333) gewählt worden, während der untere Bereich der Packung unbemalter Piloten und Bodenpersonals (16502) entnommen ist. Die Teile werden mit einem Bastelmesser zugeschnitten und mit einer Feile angepasst. Ein kurzes Drahtstück stabilisiert die Klebestelle nach dem Austrocknen des Klebers. Nach der Grundierung erfolgt der Farbauftrag mit einem feinen Pinsel nach Belieben. Wenn die Farbe durchgetrocknet ist, können die Piloten auf dem Sattel Platz nehmen und losbrausen.

Auch wenn diese Fahrzeuge nur in der Epoche II gebaut wurden, so ist auch anzunehmen, dass das ein oder andere Fahrzeug noch bis in die Fünfziger Jahre unterwegs war und treue Dienste geleistet hat. Auf der Modellanlage sind diese Exoten bestimmt ein Blickfang und bei dem günstigen Preis muss es ja auch nicht bei einem Modell bleiben. Zudem haben die Weinert´s für dieses Jahr die Version als Pritschenwagen angekündigt. Da Vorfreude bekanntlich die größte Freude ist, freuen wir uns auch auf diese Variante…

.Links vom Lenkrad befindet sich der Treibstoffbehälter. Auf der rechten Seite findet man in einem Kasten das Bordwerkzeug. Natürlich sind auch diese beiden Details am Modell nachgebildet.

Mit ihrem hohen technischen Niveau und nicht zuletzt mit ihrer Zuladung von sagenhaften 10 Zentnern wurden sie als Transportriesen zum Verkaufschlager und bald zum unentbehrlichen  Helfer der Kleinhandelstreibenden.

Stolz präsentieren die beschlipsten Herren vier Ausführungen der insgesamt drei Farb- und fünf Beschriftungsvarianten. Die Nassschiebebilder wurden nach realen Vorbildern gefertigt.

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