Der neue Kds 67 von Piko

Vor wenigen Wochen stellte die Firma PIKO den neuen Staubgutwagen Kds 67 als jĂŒngste GĂŒterwagen-Neuentwicklung vor. Wir haben das HO-Modell mit dem Vorbild verglichen und verfeinert.

„Staubgut staubt gut - Auch wenn sich hinter der Wortspielerei keine all zu große Lebensweisheit verbirgt, fordert gerade diese Eigenschaft des Ladeguts eine besondere Lösung fĂŒr den Transport auf der Schiene. WĂ€hrend es frĂŒher zumeist PapiersĂ€cke waren, hat man in Laufe der Zeit spezielle Wagen konstruiert. Einer dieser Wagen ist der Kds 67, ein Staubgutwagen mit drei BehĂ€ltern. Obwohl der Wagen die letzte Entwicklungsstufe dieser Gattung beschreibt, bildet er aus besagtem Anlass den Auftakt zu einer Reihe rund ums Staubgut.

Das Vorbild

Der Kds 67 gehört mit der frĂŒheren Bauart „Kds 55“ zu den Wagen, die mit drei BehĂ€lter ausgerĂŒstet sind. Er wurde in drei unterschiedlichen AusfĂŒhrungen mit insgesamt 56 Exemplaren beschafft. Alle drei Versionen Ă€hneln den Wagen der Baureihen Kds 54 und Kds 56, die jedoch nur zwei BehĂ€lter besitzen. Die BehĂ€lter des Kds 67 fassen jeweils 17 mÂł und dienen ausschließlich dem Transport von Kunststoffgranulat. Alle Wagen haben Einfachschakenlaufwerke, KE-Bremsen und 59 Tonnen-Hochleistungspuffer. Die ersten Wagen wurden 1961 in Dienst gestellt und erhielten AluminiumbehĂ€lter. Von diesen Wagen beschaffte die Bundesbahn sieben Exemplare und gab ihnen ab 1968 die Gattungsbezeichnung Ucs 910. Die zweite Version, mit neun Exemplaren, entstand zwischen 1963 und 1965. Sie lehnte an der VorgĂ€ngerversion an, jedoch vergrĂ¶ĂŸerte man den unteren BehĂ€lterwinkel von 45° auf 60°. Ihre BehĂ€lter bestehen ebenfalls aus Aluminium und sie wurden spĂ€ter zu Ucs 911 umbenannt. Mit vierzig Wagen und damit die zahlreichste und letzte Version ist die der spĂ€teren Ucs 912. Die Konstruktion entspricht der des Ucs 911, jedoch sind die BehĂ€lter nicht aus Aluminium, sondern aus Stahl.

Diese Seitenansicht entstand am 9. Juli 1993 im Rangierbahnhof Brake und zeigt den Ucs 912 als Privatwagen der Firma EVA DĂŒsseldorf (Aufnahme Klaus Kirsch)

Die Wagen beschaffte man zwischen 1964 und 1965. Im Jahr 1967 wurden bereits siebenunddreißig dieser vierzig und vier Wagen der spĂ€teren Baureihe Ucs 911 an die Firmen „EVA“ und „VTG“ verĂ€ußert. Alle anderen bei der Bundesbahn verbliebenen Wagen des Kds 67 folgten 1970. Die Wagen sind heute noch zum grĂ¶ĂŸten Teil bei diesen Firmen im Einsatz. Wer mehr ĂŒber Staubgutwagen, ihre Geschichte, Konstruktion und technische Daten erfahren möchte, dem sei das EK-GĂŒterwagen-Lexikon „Die StaubbehĂ€lterwagen“ von Gerd Wolff empfohlen.

Das Piko-Modell

PIKO stellt unter der Nr. 54510 die letzte Version des Kds 67 vor. In der AusfĂŒhrung der Epoche III ist das Modell mit der Gattungsbezeichnung Ucs 67 Kds beschriftet und trĂ€gt die Wagennummer 357 827. Als Heimatbahnhof wird der „Bf Stuttgart-Nord“ angegeben. Der Unterwagen ist schwarz, wĂ€hrend die BehĂ€lter „eisengrau“ (RAL 7011) abgesetzt sind. Die Abmessungen entsprechen maßstabgerecht denen des Vorbildes. Bei der von der Firma PIKO gewohnten Verpackung ist der Vielzahl von bereits montierten Griffstangen Rechnung getragen worden. Neben dem Wagen findet man hier einen Beipackbeutel mit drei HandrĂ€der fĂŒr die BehĂ€lterseiten, eine große Griffstange fĂŒr ein BehĂ€lterpodest, zwei Aufstiegsleitern, die Ausstattungsteile fĂŒr die Pufferbohlen, sprich BremsschlĂ€uche und Kupplungen, und eine entsprechende Beschreibung. Die Griffstangen und Leitern verbiegen zwar sehr leicht, lassen sich aber ebenso einfach wieder in die ursprĂŒngliche Form zurĂŒckbiegen, ohne direkt abzubrechen! Sind die Teile montiert, ist der Wagen fertig, jedoch mĂŒssen zum Einsatz auf der Anlage die Ausstattungsteile der Pufferbohle wieder demontiert werden, da ansonsten die Kupplungsaufnahme versperrt ist.

Die Vielzahl der einzelnen Bauteile verdeutlicht den enormen Konstruktionsaufwand.

Wenn das Modell als Schlusswagen eingereiht wird, kann die Kupplungsaufnahme entfernt werden Wie die Puffer ist sie nur eingesteckt.

Schon bei der Betrachtung in der Verpackung hinterlĂ€sst das Modell einen sehr stimmigen Eindruck. Ausgepackt erregen die vielen freistehenden Griffstangen und Leitungen die Aufmerksamkeit. Sie lassen erahnen, mit welcher Sorgfalt das Original umgesetzt wurde. Wagt man den Vergleich zu anderen Staubgutwagen von PIKO, zeigt der Kds 67 eine deutliche Steigerung bei der Umsetzung ins Modell. Leider ist dies nicht in allen Details so konsequent, wie gewĂŒnscht, geschehen. Aber diesen Details sollte man keine zu große Bedeutung zuteil werden lassen, da sie, wie die spĂ€tere Verfeinerung zeigt, leicht auszumerzen sind.

Die „RĂŒckseite“ des Kds 67 zeigt links die Entleerungsleitung des mittleren BehĂ€lters.

Der Unterwagen mit seinem Einfachschakenlaufwerk, den Bremsen und Nachbildungen auf dem LangtrĂ€ger, ist exakt dem Vorbild nachempfunden. Bei der Ausstattung der Pufferbohle hat man des Guten etwas zuviel getan und das Modell mit zwei BremsschlĂ€uchen an jedem Wagenende ausgestattet. Das Vorbild weist hier nur einen je Seite auf. Zur EntschĂ€digung gibt es, wie schon beim Rmms 33, wieder Rangiergriffe unter den Pufferbohlen. In diesem Zusammenhang sei auch erwĂ€hnt, dass es sich bei dem Modell um die Version ohne BremserbĂŒhne handelt, wĂ€hrend es beim Vorbild Wagen mit und ohne BĂŒhne gab. Die BehĂ€lter mit ihren Aufstiegen und unzĂ€hligen Griffstangen sind bis auf drei Details maßstĂ€blich wiedergegeben.

So wollen die Manometer und die Überdruckventile auf den BehĂ€lteroberseiten und die HandrĂ€der an den BehĂ€lterseiten nicht so recht ĂŒberzeugen. Die Manometer und Überdruckventile fallen etwas grob aus und weisen nicht den korrekten Winkel zum BehĂ€lter auf. Sie mĂŒssten anstatt lotrecht, im rechten Winkel auf den leicht geneigten BehĂ€lteroberseiten stehen. Bei den HandrĂ€dern fĂ€llt auf, dass diese zu klein und zu wenig strukturiert sind, aber der Hinweis auf diese drei weniger gelungenen Details soll nicht vom hervorragenden Gesamteindruck ablenken. So fĂ€llt der Blick immer wieder auf die feinen Griffstangen auf den BehĂ€ltern. Aber auch die anderen Details, wie BehĂ€lterdeckel, Druckluftleitungen, GelĂ€nder und BehĂ€lterpodeste lassen die Sorgfalt bei den Konstrukteuren erkennen.

Der Blick von oben zeigt die vielen aufwendigen Details auf der BehÀlteroberseite.

Verfeinerungen am Kds 67

Die BehĂ€lterleitern und die Zettelhalter sind ebenso wie die Druckluftleitungen freistehend angebracht. Die Beschriftung ist sauber und lupenrein aufgedruckt und die Bremsstellhebel sind bereits farblich abgesetzt. Aber auch die filigranen GelĂ€nder an den Wagenenden und die Nachbildung der Ringe um die Entleerungsleitungen begeistern den Betrachter. Rundum kann man den Konstrukteuren der Firma PIKO zu diesem Modell beglĂŒckwĂŒnschen. Aus einer Vielzahl von einzelnen Bauteilen ist trotz der wuchtigen Bauart ein sehr feingliedriges Modell entstanden, das aus jeder Perspektive begeistert. Auch wenn diese Gattung beim Vorbild nicht so zahlreich vertreten war, braucht man kein Hellseher zu sein, um vorauszusagen, dass dieses Modell das Vorbild zahlenmĂ€ĂŸig um ein Vielfaches ĂŒbertrumpfen wird.

Ohne das Modell in irgendeiner Form schmĂ€lern zu wollen, zeigen die folgenden Zeilen, wie ohne allzu großem Aufwand das Modell noch verfeinert werden kann. Zu Beginn werden die Standardkupplungen und RadsĂ€tze entfernt. Danach folgen die Aufstiegsleitern und die seitlichen Druckluftleitungen. Die Letzteren mĂŒssen im ĂŒbrigen farblich behandelt werden, da sie beim Vorbild unterhalb der Absperrventile schwarz ausgelegt sind. Danach kann man die BehĂ€lter vorsichtig vom Unterwagen abziehen. Die sichere Verbindung gewĂ€hrleisten vier Laschen mit Rastnasen. ZunĂ€chst wird der Unterwagen behandelt. Zum Schutz der filigranen GelĂ€nder sollten diese vorsichtig mit der Pinzette abgezogen und die Plattformen abgenommen werden. Gleiches ist auch fĂŒr die seitlichen Lasthaken zu empfehlen. Nun folgt das Abtrennen der auszutauschenden Bauteile. So werden zunĂ€chst die Steckpuffer abgezogen und dann die Rangiertritte und –griffe sowie die Sockelplatten  mit dem Bastelmesser abgetrennt uns alle durch Messingteile ersetzt. Aber zuerst mĂŒssen die vorhandenen Aufnahmen der Puffer auf 2,2 mm aufgebohrt werden. In diese Bohrungen werden mit Sekundenkleber Weinerts „ElefantenfĂŒĂŸe“ (8595) mit Sockelplatten (8596) geklebt. Die Rangiergriffe, die beim Modell etwas schmal (~ 3mm) ausgefallen sind, werden durch 0,3 mm Messingdraht ersetzt.

Auf der BehĂ€lteroberseite werden das Überdruckventil und das Manometer ausgetauscht. Die neuen Teile, wie auch die Griffstangen und GelĂ€nder, werden eisengrau lackiert.

Auch die Technik eines Staubgutwagens will gelernt sein!

Der Abstand der Bohrungen sollte dabei um die 6 mm betragen. Erfreulicherweise ist zwischen Pufferbohle und Kupplungskinematik genug Raum, damit die Bewegungsfreiheit der Kupplungsaufnahme nicht durch die Griffe gestört wird. Als nĂ€chstes folgen die Rangiertritte (Weinert 8690). Davon sind an jeder Seite zwei Exemplare anzubringen. Oberhalb dieser Tritte sind noch die Schlussscheibenhalter in Form kurzer Kunststoffprofile von Evergreen (0,5 x 0,5 mm) anzukleben. Sollen sie spĂ€ter Schlussscheiben aufnehmen, sind sie mit einer feinen Bohrung von 0,3 mm zu versehen. An dieser Seite des Wagens wird auch die Pufferbohle mit weiteren Teilen ausgerĂŒstet. So ist die mittige Öffnung mit einem Kupplungsflansch (Weinert 8643) und einer Originalkupplung (Weinert 8633) zu versehen. Hingegen sind die beiden Aufnahmen fĂŒr die BremsschlĂ€uche aus dem ZurĂŒstbeutel zu verspachteln und zu schleifen. Unterhalb der Pufferbohle ist eine Bohrung (0.8 mm) fĂŒr einen Bremsschlauch von Weinert (8293) anzubringen und das Messinggussteil einzukleben. Nun werden die Bremsbacken noch mit einem 0,5 mm dicken Messingdraht verbunden und die Arbeiten am Unterwagen sind abgeschlossen. Die angebauten Teile und die unteren Abschnitte der demontierten Druckluftleitungen erhalten eine matt schwarze Lackierung. Die Trittplatten der Rangiertritte werden nach dem Abtrocknen silbern (Revell 90) abgesetzt.

Auch der Oberwagen wird zunĂ€chst allen angesteckten Teilen entledigt. Wer die nicht so feinen Bauteile Manometer, Überdruckventil und HandrĂ€der austauschen möchte, wird bei Roco fĂŒndig. Im ZurĂŒstbeutel (98999) zum Kds 54 und 56 sind diese Bauteile (3-fach) in fein detaillierter AusfĂŒhrung zu finden. So sind die vorhandenen Bauteile abzuschneiden und mit Bohrungen fĂŒr die neunen Teile an diesen Stellen zu versehen. Diese Teile - Manometer, Überdruckventil und  HandrĂ€der – sind wie die Griffstangen und die GelĂ€nder der BehĂ€lter eisengrau (Weinert 2633) zu lackieren. Dabei sollten auch die beschĂ€digten FlĂ€chen auf den BehĂ€ltern, dort wo die angespritzten Teile entfernt worden sind, farblich beigearbeitet werden. Bleibt noch zu bemerken, dass die Innenteile der Manometer weiß und die VerschlĂŒsse der oberen BefĂŒllstutzen silbern abzusetzen sind. Danach ist der Wagen bis auf die RadsĂ€tze komplett zusammenzusetzen und die Verwitterungsspuren können aufgebracht werden.

Die Verwitterungsspuren

Den Anfang macht verdĂŒnntes Schwarz. Je nach Alterungsgrad kann dieser unterschiedlich stark ausfallen. Darauf folgen die Verlaufspuren im unteren Teil der BehĂ€lter. Sie erzielt man mit einem gestutzten Borstenpinsel. Die Pinselspitzen werden vorsichtig mit schwarzer Farbe benetzt und am BehĂ€lter abgestrichen. Dann folgt der rostige Farbauftrag. Hier wird die Farbe „Leder“ von ModellMaster fein dosiert auf den Unterwagen aufgebracht. Der Oberwagen erhĂ€lt nur einen ganz geringen Auftrag, der von unten nach oben gespritzt wird. Dem folgt das Granieren mit einem ausgewischten, mausgrauen (Revell 47) Katzenzungenpinsel. Zum Abschluss erhalten die BehĂ€lteroberseiten einen leichten Auftrag mit Wetter-Puder „Schmutz“ von Rainerhagen (6088D). Dieser Auftrag wird vom BehĂ€lterdeckel zur Außenseite mit einem weichen Pinsel aufgetragen. Bei dem Auftrag der Verwitterungsspuren ist sparsam vorzugehen, da die Wagen beim Vorbild recht pfleglich behandelt werden.

Fazit

Mit dem Kds 67 hau PIKO wieder eine LĂŒcke in der Reihe der ModellgĂŒterwagen geschlossen. Auch wenn sich so mancher Modellbahner fragt, warum sich PIKO gerade dieses Modell ausgesucht hat, so ist die Antwort eigentlich simpel. Nahezu alle Hersteller haben bisher Modelle des Kds 54 oder des Kds 56 herausgebracht, aber die Randgruppen, wie der Kds 55 oder der Kds 67, werden von den Herstellern gemieden. Dies mag an den geringen StĂŒckzahlen des Vorbildes liegen, aber dennoch war es sicherlich ein kluger Schachzug die letzte Baureihe dieser Gattung nachzubilden, denn diese Konstruktion gibt noch einige Alternativen her. So sind neben den Wagen mit einer BremserbĂŒhne auch noch verschiedene Beschriftungsvarianten möglich, zum einen die Variante als DB-Wagen in der Epoche IV, also als „Ucs 912“, und zum anderen als Privatwagen der Unternehmen „EVA“ oder „VTG“. Daneben lĂ€sst sich das Modell natĂŒrlich auch fĂŒr die baugleiche Wagengattung der zweiten Version, also fĂŒr den Ucs 911, verwenden. Vor diesem Hintergrund ist mit Sicherheit mit so mancher Beschriftungsvariante in den nĂ€chsten Jahren zu rechnen. Dies trĂ€gt dann auch hoffentlich dazu bei, die wahrscheinlich erheblichen Entwicklungskosten durch eine ausreichend hohe StĂŒckzahl auszugleichen. Lohnenswert ist der Wagen allemal. Auch wenn GanzzĂŒge dieser Gattung wohl eher zur selteneren Erscheinung beim Vorbild zĂ€hlen, so wĂ€ren sie jedoch theoretisch möglich. Abschließend bleibt zu bemerken, dass mit dem neuen Kds 67 ein gelungenes Modell entstanden ist, das so manches Modellbahnerherz erobern wird.

Unter dem kritischen Blick des Vorgesetzten wird der Wagen bestiegen.

Gottlob stehen dem Personal ausreichend Griffstangen und GelĂ€nder zur VerfĂŒgung um dem Arbeitsschutz gerecht zu werden!

Das neuste GĂŒterwagenmodell von Piko ist gleichzeitig die letzte Entwicklungsstufe der bei der Bundesbahn eingestellten Staubgutwagen – der Kds 67 / Ucs 912.

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