Filigrane Blechträgerbrücke im Maßstab 1:87

Heilig`s Blechle...

Zügig passiert der Rangierdiesel mit seinen Flachwagen die Stahlträgerbrücke, die mit dieser Belastung bestimmt keine Probleme haben wird

Brücken – zumeist imposante und beeindruckende Bauwerke, ziehen nicht nur beim Vorbild den Betrachter an. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Konstruktionen. Eine davon – eine Blechträgerbrücke – bietet die Firma „Modellbahnen + Ideen Jansen“ aus Moers an. Dieses schöne Modell wird hier vorgestellt.

Der Komplettbausatz besteht aus einem Sammelsurium verschiedener Messingprofile und –formteile mit einer kurzen aber vollkommen ausreichenden Bauanleitung.

Dann folgen die inneren Tragelemente die zur Aufnahme der Gitterträger notwendig sind.

Brücken beim Vorbild

Brücken sind laut Definition Ingenieurbauwerke die zur Überführung eines Verkehrsweges über ein Hindernis dienen. Sie unterscheiden sich durch die gewählte Konstruktion und das verwendete Material. Im vorliegenden Fall handelt es sich um eine Brücke die dem Prinzip der Balkenbrücke entspricht und aus Metall besteht. Bei diesem Typ wird die zu überbrückende Entfernung mit einem Balken, der nur senkrechte Kräfte auf die Widerlager ausübt, überspannt. Dieser Balken ist bei einer Blechträgerbrücke ein aufrecht stehender Blechstreifen, der durch entsprechende Aussteifungen in der Lage ist enorme Lasten aufzunehmen.

Im ersten Arbeitsschritt werden an den Blechträgern die Geländerstützen und die oberen und unteren Messingprofile angelötet.

An der Außenseite der Blechträger, gegenüber den inneren Tragelementen, werden Streifen mit zweireihigen, durchgedrückten Nietennachbildungen aufgelötet. An den Enden schliessen kleine Messingwinkel den Trägerkopf.

Dabei ist die konstruktive Höhe des Blechträgers/Brückenträgers ausschlaggebend für die aufzunehmende Last. Die Träger können die Belastungen je nach Konstruktion in verschiedenen Positionen, wie z.B. direkt unter dem Gleis oder parallel neben dem Gleis, aufnehmen. Im vorliegenden Fall werden die Lasten aus dem Gleis über parallel verlaufende Schwellenträger auf die senkrecht zur Gleisrichtung liegenden Gitterträger übertragen und von dort in die seitlich zum Gleis angeordneten Brückenträger abgeleitet. Kreuzartige Windverbände verhindern eine parallele Verschiebung der Brückenträger. Seitliche Geländerhalter nehmen die zu Wartungszwecken notwendigen Gehwege auf. An den Enden werden die Lasten über Lager in die massiven Brückenköpfe aus Mauerwerk oder Stahlbeton übertragen. Die Lager sind auf einer Seite starr ausgeführt, während die andere Seite beweglich (Rollenlager) ist, um die thermische Längenausdehnung verwerfungsfrei zulassen zu können. Durch die Anordnung der seitlichen Brückenträger wird eine niedrige Gesamtkonstruktion möglich. Die Wahl der Konstruktion und des verwendeten Materials lässt eine materialsparende Brücke entstehen, die jedoch durch die Materialwahl auch einen nicht unerheblichen Wartungsaufwand erzeugt.

Zum Schutz und zur Stabilisierung der Geländerstützen vor dem weiteren Zusammenbau, verlötet man die einzelnen Geländerdrähte mit den Stützen.

Im letzten Schritt werden die jeweils aus zwei U-Profilen hergestellten Doppel-T-Profile als Schwellenträger auf den Gitterelementen verlötet.

Um die Blechträger parallel und rechtwinkelig zueinander verlöten zu können, leisten verschiedene Profile und Winkel als Anlegehilfe gute Dienste.

Modell

Das Modell ist aus einem Komplettbausatz der Firma Modellbahnen + Idee Jansen (Eichenstraße 77, 47443 Moers) erstellt worden und ist dort für 98,00 Euro zuzüglich Verpackung und Versand erhältlich. Der Bausatz besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Messingprofile. So findet man neben handelsüblichen U-Profilen, unterschiedliche Blechstreifen, Winkelprofile und speziell hergestellte Bauteile, wie z.B.  die Geländerstützen oder Windverbände. Bemerkenswert sind die Nietennachbildungen. Sie wurden bei verschiedenen Blechstreifen und Winkelprofilen von der Negativseite eingedrückt. Dies erzeugt eine sehr realistische Nachbildung.

Der Zusammenbau gestaltet sich als kurzweiliges Vergnügen. Dazu tragen auch die kurze aber sehr prägnante Bauanleitung und eine übersichtliche Konstruktionszeichnung bei. Dem Erbauer bleibt es überlassen, die Brücke zu löten oder zu kleben. Egal welche Arbeitsweise man wählt, sollte man die Bauteile vor dem Verbinden gründlich reinigen. Im Rahmen dieses Beitrages wurde die Konstruktion gelötet.

Bei diesem Vorbild, welches in Krefeld am Niederrhein aufgenommen wurde, handelt es sich um eine artverwandte Konstruktion, die sehr viele identische Details aufweist.

Die stimmigen Proportionen des Modells vermitteln einen Eindruck der Mächtigkeit der Konstruktion.

Die Nahaufnahme zeigt die vielen Details der vorbildgerechten Konstruktion.

Konstruktionszeichnung starres Auflager

Montagebeschreibung

Der Bauanleitung folgend beginnt man mit den beiden seitlichen Brückenträgern (1). Hier werden zunächst die Schlitze für die Geländerstützen (10) ein wenig aufgeweitet, dann die Stützen eingeschoben, senkrecht ausgerichtet und verlötet. Die oberen und unteren Längsseiten der Träger erhalten jeweils zwei Winkelprofile (2) und einen oberen bzw. unteren Deckstreifen (7) mit Nietenprägung. Die Profile an den Kopfenden werden erst später angebracht, um die Werkstücke während der Bearbeitung auch weiterhin in einen Schraubstock einspannen zu können. Auf der Trägerinnenseite wird nun ein Winkelprofil (3) aufgelötet. Auf diesem Profil setzen die Aufnahmen (13 – 15) für die Gitterträger und Windverbände auf. Dabei ist auf die genaue Positionierung und senkrechte Ausrichtung zu achten, damit später sowohl die Windverbände in die Zwischenräume passen, als auch die Gitterträger senkrecht stehen. Außen komplettiert man die Träger nun noch mit kurzen geprägten Blechstreifen (9), die gegenüber der Aufnahmen für die Gitterträger angebracht werden und bringt die Winkel (4) und Blechstreifen (8) an den Kopfenden an. Das Einziehen und Verlöten der Geländerstangen / -drähte (11) schließt die Arbeiten an den Brückenträgern ab. Dabei ist penibel auf die senkrechte Ausrichtung der Geländerstützen zu achten.

Im Eigenbau entstehen die Brückenauflager. Dem Vorbild abgeschaut: Ein starres und ein bewegliches Auflager, um die thermisch hervorgerufenen Längeausdehnungen verwerfungsfrei zuzulassen.

Für das Zusammenfügen der Brückenteile ist es hilfreich sich eine Montagelehre zu erstellen, die gewährleistet, dass die Brückenteile richtig ausgerichtet sind. Dazu wird eine „Grundlinie“ aus einem Aluminium-U-Profil mit Schraubzwingen befestigt. Daran legt man links und rechts Metallwinkel an. In dieses „U“ werden die Brückenteile eingelegt und das „U“ von oben wieder mit einem Hilfs-Profil geschlossen. Wenn alle Hilfsteile befestigt sind, legt man einmal zur Probe die Gitterträger (16) und dann die Windverbände (17) ein. Hier wird es sich zeigen, wie genau man die inneren Aufnahmen für diese Teile angeordnet hat. Sollte alles passen, prüft man nochmals die senkrechte Position der Brückenträger und beginnt dann mit dem Einlegen und Verlöten der Gitterträger. Wenn das erfolgreich gelungen ist, folgen die Windverbände. Dabei muss die Öffnung der U-Profile nach oben zeigen! Danach schliessen die Schwellenträger (12), die aus jeweils zwei U-Profilen bestehen, die Rohbauarbeiten ab. Es macht Sinn jeweils nach den einzelnen Arbeitsschritten die Lötstellen zu säubern, da einige Stellen nachher nicht mehr oder nur bedingt zugänglich sind.

Konstruktionszeichnung bewegliches Auflager

Nach einer gründlichen Säuberung der Lötstellen und Reinigung der gesamten Brückenkonstruktion erfolgt die Grundierung und die farbliche Gestaltung mit Weinert-Farben.

Auflager im Eigenbau

Dem Bausatz sind leider keine Lager, als Verbindung zwischen der Brücke und den Widerlagern, beigepackt. Diese soll es aber in Zukunft als Messinggussteile von Jansen geben. Für unsere Brücke werden die Auflager in Eigenbau aus verschiedenen Kunststoffprofilen hergestellt. Als Vorlage dienen dabei die Auflager der Brücke die in Krefeld abgelichtet wurde. Die nebenstehenden Zeichnungen zeigen die Konstruktionen. Vorteil des Eigenbaues ist, dass man die Auflagerhöhe den baulichen Gegebenheiten anpassen und so kleine Unterschiede beim Abstand zwischen Widerlager und Brückenunterkante ausgleichen kann. Feinabstimmungen sind dann noch mit verschieden dicken Fußplatten möglich.

Der erhöhte Kamerastandpunkt verrät die Lage der Gehwegbohlen.

Die Böden der seitlichen Fußwege entstehen aus fünf parallel zusammengeleimten 2 x 1 mm Lindenholzprofilen, die mit Holzbeize farblich behandelt werden.

Farben von Weinert

Vor der farblichen Gestaltung wird die gesamte Messingkonstruktion sorgfältig gereinigt und entfettet. Dann grundiert man sowohl die Brücke, als auch die vier Kunststoffauflager mit Haftgrund von Weinert (2698). In Anlehnung an das Vorbild in Krefeld werden die einzelnen Teile in „Resedagrün“ (RAL 6011) von Weinert (2626) lackiert. Einige Verwitterungs- und Betriebsspuren runden die farbliche Gestaltung ab.

Eine Stellprobe der fertig lackierten, aufgerüsteten und mit Witterungsspuren versehenen Brücke.

Sicher liegt das Gleis auf den vier Schwellenträgern, die aus jeweils zwei U-Profilen zusammengelötet wurden.

Jeweils zwei Schwellenträger, die auch wiederum aus zwei zusammengelöteten U-Profilen bestehen, bilden das Auflager für eine Gleisseite.

Laufbohlen aus Holz

Auch die Böden für die beiderseitigen Fußwege sind nicht im Bausatz vorhanden. Im vorliegenden Fall werden Sie aus 2x1 mm Lindenholzprofilen hergestellt. Für die notwendige Breite klebt man fünf Streifen nebeneinander. Natürlich gibt es die Hölzer beim Vorbild nicht in der Länge der gesamten Brücke. Also müssen sie gestossen werden. Dazu zeichnet man sich die Abstände der Geländerstützen auf und positioniert die von Leiste zu Leiste versetzten Stöße jeweils auf eine Geländerstütze. Da die Böden der Witterung ausgesetzt sind, beizt man sie zunächst mit Rustikaleffekt Beize von CLOU in dunkelbraun (1705). Leichtes Anschleifen mit 240-er Schleifpapier und einem Glasfaserstift erzeugen das verwitterte Aussehen. Anschliessend werden sie auf die waagerechten Kragarme der Geländerstützen aufgeklebt. Ebenso klebt man die Auflager an den Enden der Brückenunterkante an.

Mit diesen letzten Arbeitsschritten sind die direkten Arbeiten an der Brückenkonstruktion abgeschlossen. Somit steht einem Einbau in einen vorbereiteten Geländeabschnitt nichts mehr im Wege. Dabei sind die Widerlager, auf die die Belastungen aus der Brücke übertragen werden, nicht zu vergessen. Sie sollten mit entsprechender Breite von ungefähr 10 mm und der Brückenbreite entsprechenden Länge erstellt werden. Zur Lastverteilung ist eine genügend dick dimensionierte Stahlbeton- oder Natursteinplatte auf der Krone des Widerlagers anzuordnen. Ist die Brücke dann eingebaut, wird das Gleis verlegt. Dabei kann das Gleisjoch mit Kraftkleber direkt auf die Schwellenträger geklebt werden. Nun steht der feierlichen Brückeneinweihung und ersten Brückenquerung nichts mehr im Wege… 

Statt der Holzbohlen wären für die Gehwege auch Metallroste aus durchgeätzten Blechen und Winkelprofilrahmen denkbar…

Die Geländerstützen des Krefelder Vorbilds sind in ihrer Konstruktion nahezu baugleich mit denen des Modells.

Die eigene Herstellung der Widerlager gibt die Möglichkeit eventuelle beim Modellbau entstandene Höhenunterschiede zu egalisieren.

Auch als Fertigmodell

Neben dem vorgestellten Komplettbausatz wird Herr Jansen die Brücken demnächst auch als Fertigmodell anbieten. Diese Modelle sind dann bereits fertig lackiert und auf Wunsch auch mit Verwitterungsspuren versehen. Darüber hinaus werden neben diesen beiden Versionen auch einzelne Segmente oder Bauteile aus diesem Bausatz angeboten. So wäre es beispielsweise denkbar, dass man nur mit den seitlichen Brückenträgern eine Unterführung im Bereich des Bahnhofsvorfeldes nachbaut und dabei die Brückenträger an den Ein- und Ausfahrten der Unterführungen als seitliche Blenden verwendet. Eine Nachfrage unter info@jansen-service.de lohnt sich also in jedem Fall!

Das vorgestellte Modell ist aufgrund seiner Konstruktion vielseitig einsetzbar. Dies betrifft nicht nur den Standort, sondern auch die zeitliche Einordnung. So kann die Brücke aufgrund ihrer recht sparsamen Abmessungen, sowohl auf freier Strecke, als auch in Stadt- oder Industriegebieten verwendet werden. Zeitlich ist sie ab den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts einzuordnen und einsetzbar. Also erwirbt man mit diesem Bausatz nicht nur die Aussicht auf ein ungebremstes Bastelvergnügen, sondern erhält auch ein Modell was sich universell in unserer Modellbahnwelt einsetzen lässt.

Die Modell-Widerlager wurden bei dieser Brücke abgeschaut. Hier das   bewegliche Widerlager – ein Rollenlager.

Das beim Vorbild als beweglich konstruierte Widerlager wurde aus Kunststoffprofilen im Eigenbau hergestellt.

Gemächlich poltert der Rottenkraftwagen über die kurze, im Modell feinst detaillierte Blechträgerbrücke zu seinem nächsten Einsatzort.

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