Stellwerk 123 von Faller

Manchmal genügt etwas Spachtel und ein bisschen Farbe...

Aus einem Großserienmodell entsteht mit etwas Spachtelmasse und ein wenig  Farbe ein individuell gestaltetes Modell...

Vielfach erkennt man beim Betrachten einer Modelleisenbahn die aufgestellten Gebäudemodelle wieder und sieht dabei vor dem geistigen Auge die Prospektbilder der einschlägigen Hersteller. Schnell wächst da der Wunsch nach dem Besonderen. Das was man halt eben nicht sofort wieder erkennt. Meist bleibt dann nur der Selbst- oder aufwändige Umbau. Aber dieser Aufwand muss es ja nicht gleich sein, manchmal reicht schon etwas Spachtel und ein wenig Farbe um ein individuelles Modell zu schaffen.

In diesem Fall war es so, dass der am Niederrhein beheimatet Autor etwas Heimatbezogenes nachbilden wollte. Als Vorbild fanden sich im benachbarten Krefeld die noch vorhandenen Stellwerke am Hauptbahnhof und am Bahnhof Krefeld-Linn. Beide Stellwerke haben ein aus Ziegelmauerwerk bestehendes Erdgeschoss, ein aus Fachwerk bestehendes Obergeschoss und ein Ziegeldach. Diesem Vorbild nachempfunden, sollte ein Großserienmodell entsprechend angepasst werden.

Der Bausatz Stellwerk “Donauechingen” der Firma Faller besteht nur aus sieben farbigen Kunststoff-Spritzlingen, einem transparenten Kunststoffstreifen für die Fensterscheiben, den inneren Masken und einer Bauanleitung.

Um eine größere Fensterfront zu erhalten, werden drei Fachwerkausmauerungen im oberen Schaltraum herausgesägt

Die Ausmauerungen des Fachwerkes  wurden mit Revell-Spachtelmasse „verputzt“. Mit einem Skalpell und einem Schleifpatt legt man das Fachwerk wieder frei

Der etwas höhere Sockel erhält ebenfalls einen Überzug aus Spachtelmasse.

Die massigen Fensterumrahmen des Untergeschosses werden abgeschliffen, damit sie filigraner wirken.

Nachdem alles versäubert ist, wird das Modell zunächst mit der Spritzpistole grundiert.

wird zur Nachbildung einer unregelmäßigen und strukturierten Putzoberfläche noch Grundierung mit dem Bostenpinsel aufgetupft.

Die Farbgebung

Da aufgrund der Kolorierung die Fenster und im oberen Gebäudeteil auch die Inneneinrichtung erst später eingesetzt werden, sind in die Bodenplatte des Erdgeschosses und die Deckenplatte des oberen Teils  Öffnungen zu schneiden.

Der Natursteinsockel des Stellwerks wurde gegen einen verputzten Socken aus Kunststoffprofilen ausgetauscht

Fündig wurde man bei dem bekannten Gebäudehersteller FALLER (www.faller.de) aus Gütenbach. Das Stellwerk „Donaueschingen“ (Art. 120123 – 23,90 Euro, uvP.) schien durchaus geeignet, dem Vorbild entsprechend umgestaltet zu werden.

Der Bausatz enthält sieben Spritzlinge in verschiedenen Farben mit den Bauteilen für die Erstellung des Modells. Daneben findet man noch einen durchsichtigen Kunststoffstreifen für die Nachbildung der Glasscheiben, eine Papiermaske für den Innenraum und eine bebilderte Bauanleitung.

Der Bauanleitung folgend wird zuerst das Erdgeschoss zusammengeklebt. Da die Fenster aufgrund der gewünschten Kolorierung erst später eingesetzt werden sollen, schneidet man vor dem Zusammenbau eine Öffnung in die Bodenplatte. So bleiben die Fensteröffnungen auch nach dem Zusammenbau von der Innenseite erreichbar. Gleiches gilt im Übrigen auch für die Deckenplatte des oberen Schaltraumes! Im Erdgeschoss soll nur der nicht so recht gefallende Natursteinsockel durch einen verputzten Sockel ersetzt werden. Dazu wird der Bausatzsockel durch ein Kunststoffprofil von 1,0  x 7,9 mm ersetzt. Da dieses Profil höher als der ursprüngliche Sockel ist, muss innen zur Stabilisierung ein Füllprofil eingeklebt werden. Durch diese Erhöhung, die im Übrigen dem Gesamteindruck des Modells zugute kommt, müssen auch noch die Pfeilervorlagen im schmaleren Gebäudeteil unten verlängert werden. Im letzten Schritt sind die roten Fenstereinfassungen dran. Sie werden auf eine Breite von 1,3 mm heruntergefeilt, da sie ansonsten zu mächtig wirken. Damit ist das Erdgeschoss zunächst fertig und es geht ans Obergeschoss.

Das Obergeschoss beherbergt den Schaltraum, von dem aus das Gleisfeld beobachtet und die notwendigen Weichen- und Signalstellungen durchgeführt werden. Beim vorliegenden Bausatz sind dazu nur sehr spärlich Fenster vorhanden. Anders ist es bei den Vorbildern in Krefeld. Hier befinden sich auf der gleiszugewandten Seite deutlich mehr Fenster. Um dies ins Modell umzusetzen werden auf der gleiszugewandten Seite drei ausgewählten Fachwerkausmauerungen mit einer Laubsäge herausgeschnitten. Die fehlenden Fenster bestellt man beim Faller – Kundendienst. Hier fallen für den Spritzling „4“, der neben den Fenstern auch Dachteile beinhaltet, ganze 3,60 Euro, inklusive den Versandkosten, an. Da der Spritzling aber nur zwei Obergeschossfenster enthält, muss auf der Gebäuderückseite ein Fenster entfallen. Dazu findet man im Bausatz ein Füllstück, welches in eine der rückseitigen Fensteröffnungen eingeklebt wird. Danach folgt der Zusammenbau des Obergeschosses und das Zusammenfügen der beiden Geschosse.

Bevor es an den Bau des neuen Daches geht, steht nun das Verputzen der Fachwerk-Ausfachungen an. Mit einem Skalpell wird die Spachtelmasse der Firma REVELL dünn aufgetragen und nach dem Trocknen mit einem Schleifpatt plangeschliffen. Im Rahmen dieser Arbeiten erhält auch der neue Sockel einen Spachtelüberzug, um hier einen Zementputz nachzubilden.

Die Kolorierung erfolgt mit Revell-Farben. Auch der später noch einsehbare Innenraum wird eingefärbt.

Zur filigranen Abgrenzung des Fachwerkes werden mit einem Tuschstift und weißer Tusche entlang eines Lineals feine Linien gezogen

Danach erfolgt die Reinigung der Modells mit einer Bürste und etwas Scheuermilch, um auch noch die letzten Unebenheiten zu entfernt. Als Grundlage für die farbliche Gestaltung grundiert man das Modell mit Weinert Haftgrund (Art.-Nr. 2698). Wenn der erste Auftrag mit der Spritzpistole erfolgt und abgetrocknet ist, wird dem Putz mit einem Borstepinsel noch etwas Struktur „aufgetupft“.

Die eigentliche Kolorierung erfolgt dann mit Farben von REVELL. Der Sockel und die Fensterumrandungen erhalten einen grauen Anstrich (47) und das Ziegelmauerwerk eine Mischung aus verschiedenen Rot- und Orange–Tönen (37+83+85). Am Obergeschoss wird der Putz beige (89) gestrichen, und dann das Fachwerk dunkelbraun (84) abgesetzt. Wer einen besonderen Akzent setzen will, kann die Fachwerkfelder mit einem weißen Tuschestift umranden. Dies grenzt zum einen das Fachwerk zur Putzfläche ab und gibt zum anderen dem Obergeschoss ein edleres Aussehen.

Auch wenn eine solche Vorbeifahrt nur im Ausnahmefall zustande kommt, zeigt sie doch die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten auf.

Das neue Dach

In den Trockenphasen des Verspachtelns und Kolorierens kann man sich an das neue Dach begeben. Wiederum dem heimischen Vorbild entsprechend, soll ein Ziegeldach nachgestellt werden. Gleichzeitig soll auch eine steilere Dachneigung dem Modell zu einem wuchtigeren Aussehen verhelfen.

Als Grundlage für den Eigenbau dienen die beiden Dachrinnen-Winkel aus dem Bausatz. Sie bekommen einen etwa 20 mm breiten Rahmen aus Kunststoffplatten mit Bretterstruktur von der Firma BRAWA. Eine in der Mitte aufgeklebte Kunststoffplatte in der Abmessung der Vertiefung in der Obergeschossdecke dient als Anschlag und damit als Halt für das Dach. So kann man darauf verzichten das Dach festzukleben und hat später immer die Möglichkeit den Innenraum des Obergeschosses noch zu erreichen. Die Dachflächen entstehen aus Dachplatten von Auhagen (41611). Während man die Dachform – Walmdach – beibehält, erhöht man die Dachneigung auf etwa 45°, was einer Höhe von ~ 30 mm entspricht. Die erste Überlegung, die fehlenden Gratziegeln an den Walmen mit Teilen aus der Restkiste zu ergänzen, musste revidiert werden, da diese Ziegel nicht zu den Firstziegeln der Dachplatten passen. So werden die Firstziegel von Plattenresten der Auhagener Dachplatten   abgeschnitten und als Gratziegel verwendet. Aus einem kleinen Stück Alufolie entsteht die Bleiabdeckung auf dem Übergang von den First- zu den Gratziegeln. Der Kamin wird wieder dem Bausatz entnommen. Er erhält eine obere Abdeckplatte aus zwei 1 mm dicken, quadratischen Kunststoffplatten, von denen die obere unter 45° abgeschrägt wird. Seitlichen Verstärkungen aus feinen Kunststoffwinkelprofilen sollen die Metallaussteifung nachstellen. Mit ein wendig Spachtelmasse bildet man den Zementputz nach. Dann wird der Kamin mit den entsprechenden Dichtungsblechen in die Dachfläche eingepasst. Da am Niederrhein mehr dunkelgraue Dachziegel anzutreffen sind, erhält das Dach nach der obligatorischen Grundierung einen Anstrich aus verschiedenen Grautönen von Revell (9+77+78). Die Regenrinnen werden in einem mittleren Grau (Revell 47) abgesetzt. Bleibt noch zu ergänzen, dass die „Unterverbretterung“ einen braunen Farbauftrag (Revell 17+84) erhält, während die Farben für den Kamin in Anlehnung an den Putz am Obergeschoss gewählt werden.

Als Grundlage für das selbst gebaute Dach sind die im Bausatz enthaltenen Regenrinnen. Sie bildeten den Rahmen für die unterseitige „Verbretterung“ Die weiße Kunststoffplatte dient als Passstück, um das Dach auf dem Modell zu fixieren

Die Dachflächen entstehen aus Dachplatten von Auhagen. Um das Modell mächtiger erscheinen zu lassen, wird die Dachneigung und damit die Höhe des Daches vergrößert.

Die Gratziegel von Dachplattenresten abgeschnitten und aufgebracht. Alu-Folie „dichtet“ den Übergang von den First- zu den Gratziegeln ab.

Der im Bausatz enthaltene Kamin erhält eine Aussteifung mit Kunststoffwinkelprofile und –flacheisen. Darüber hinaus wird auch er verputzt.

Nach einer Grundierung wird das Dach in verschiedenen Grautönen, der Schornstein in der Putzfarbe koloriert.

Unter den kritischen Augen des Stellwerkpersonals knattert die Draisine vorbei...

Um die Fensterflächen größer erscheinen zu lassen, werden einige Sprossen aus den Fenstern herausgeschnitten Die Fenstereinsätze erhalten eine weiße Spritzlackung.

Für eine Zwangslüftung über die Oberlichter im schmalen Maschinenraum werden grau lackierte Streifen aus einer Trockenrasiererklinge von hinten aufgeklebt.

Die dem Bausatz beigefügte Inneneinrichtung wurde durch Büromöbel aus dem Zubehörprogramm von KIBRI ergänzt. Ausgesuchte Preiserlein beleben die Szene.

Dank der ausgeschnittenen Öffnungen in der Bodenplatte und der Obergeschossdecke lassen sich die Fenster problemlos einsetzen.

Fenster und Regenfallrohre

Nun kommen wir zu den Fenstern. Diese machen mehr den Eindruck von Gefängnisfenstern, als Fenster, um einen ungetrübten Überblick bewahren zu können. So werden viele Sprossen mit einem Skalpell herausgeschnitten und die Schnittflächen versäubert. Auch das Grau der Fenster kann nicht begeistern, sodass diese kurzerhand weiß lackiert werden. Für eine Permanentlüftung des Erdgeschosses sorgen nun die Schergitter aus einem ausgedienten Rasiererkopf. Sie werden in der Größe der Oberlichter der Vierfachfenster zugeschnitten, grundiert, grau lackiert und dann von hinten aufgeklebt. Dies bildet eine interessant Alternative zu

Nach der farblichen Behandlung der Einrichtungsgegenstände werden diese im  Obergeschoss arrangiert und eingeklebt. Durch das abnehmbare Dach sind spätere Umgestaltungen möglich.

den verglasten Fensterteilen. Im Obergeschoss verbleiben an den Fenstern nur die unteren Sprossen. Sie dienen hier als Absturzsicherung, da die Fenster eine sehr niedrige Brüstungshöhe haben. Nachdem auch diese Fenster koloriert, verglast und eingebaut sind, müssen noch die Regenfallrohre angebracht werden. Bedauerlicherweise passen die Spritzlinge des Bausatzes nicht mehr. So entstehen nun die Fallrohe aus Messingdraht mit einem Durchmesser von 1,2 mm. Für die Befestigung werden zunächst an der späteren Position der Fallrohre Bohrungen von 0,6 mm Durchmesser gesetzt. Als Befestigung dienen kurze 0,3 mm dicke Drahtstücke, die um das Fallrohr gelegt und dann in den Wandbohrungen verklebt werden. Kurze mit einer Reibahle etwas aufgeweitete Messingrohre ( 1,5 mm) bilden die Standrohre, also den Übergang vom Regenfallrohr zum Kanal

Die Regenfallrohre entstehen aus Messingdraht mit einem Durchmesser von 1,2 mm. Feine 0,3 mm dicke Drahtstücke dienen als Befestigung der Fallrohrer. Später aufgesteckte 1,5 mm dicke Messingrohre stellen die Standrohre als Übergang zu den Kanalleitungen dar.

Eine neue Inneneinrichtung

Im letzten Schritt muss noch die Inneneinrichtung vorbereitet und eingesetzt werden. Die im Bausatz enthaltenen Gegenstände werden durch Büromöbel aus dem Zubehörprogramm von KIBRI (Art.-Nr. 8120) ergänzt. Auch diese Teile werden grundiert und koloriert. Auf die Schalttische klebt man die beigefügten Gleisbilder und der ein oder andere Aktenschrank wurde mit wichtigem „Papierkram“ gefüllt. Danach folgt die Gestaltung des Obergeschosses durch das Einkleben der Einrichtung. Verschiedene Preiserlein beleben den zuvor noch farblich gestalteten Schaltraum. Nun kann das Stellwerk in der Modellwelt aufgestellt und das Umfeld arrangiert werden.

Die vergrößerte Fensterfront gibt den Blick auf das Gleisfeld frei. Die verbliebenen Sprossen dienen gleichzeitig als Fensterbrüstung

Im laufenden Betrieb gibt es immer etwas abzustimmen...

Der Bausatz ermöglich die Fenstertüre im Giebel auch in geöffneter Position  zu fixieren. Die von einigen Sprossen entledigten Fenster geben den Blick in gestaltete Innere frei.

Die dünner gefeilten Fensterumrahmen werden grau koloriert, um sie als für eine Zweckbau entsprechend aus Beton dazustellen.

Das Eisengestell steift den weit aus dem Dach stehenden Schornstein aus, während das umlaufende Blech zwischen dem Schornstein und dem Dach dafür sorgt, dass es innen trocken bleibt.

Das Verputzen der Gefache und die farbliche Gestaltung führen zu einem anderen Aussehen.

Dem Vorbild am Niederrhein abgeschaut, ist das Dach in Grautönen koloriert.

Die mit feinen weißen Lienen abgesetzten Fachwerkbalken tragen zu einem nicht alltäglichen Aussehen bei. Natürlich darf das Abstutzgitter an der Fenstertüre nicht fehlen...

Sicherlich wird nun der ein oder andere sagen:

„Von wegen nur ein wenig Spachtel und etwas Farbe...“  Na ja, es kommt darauf an, was draus wird! Und so manche Idee oder Anregung für eine Änderung kommt vielleicht erst beim Basteln! Aber das ist das reizvolle, was dieses Hobby ausmacht...

 

Nicht jedes Funktionsgebäude muss immer nüchtern sein. Ein wenig Farbe und ein paar kleine Veränderungen soll zu eigenen Varianten anregen.

Durch den etwas höheren Sockel und das erhöhte Dach wirkt das Stellwerk etwas mächtiger

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