“Feintuning...”

Verfeinerung des Stellwerkes Werdohl

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Mit verschiedenen Zurüstungen und Verfeinerungen kommt das Stellwerk „Werdohl“ von Vampisol dem Vorbild näher.

-„Feintuning…“ In der Rennfahrersprache sind dies die letzten Abstimmungen an dem Sportgerät, bevor es neuen Triumphen entgegenstürmt. Im abgewandelten Sinn ist es hier auch so. Durch einige Verfeinerungen und Ergänzungen wird ein bereits hervorragend gestaltetes Modell dem Vorbild noch näher gebracht. Dies zeigen wir hier an dem Stellwerk „Werdohl“ von Vampisol.

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An der linken Giebelseite erkennt man im Bereich der Traufe eine Fehlstelle in dem sonst einwandfreien Gusskörper des Daches. Zudem verlangt der „hoch gewachsene“ Kamin nach einer Abstützung, um auch Wind und Wetter zu trotzen.

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Im Modellbahn-Kurier 32 „Stellwerke“ stellten wir das Stellwerk „Werdohl“ des Kleinserienherstellers Vampisol vor. In diesem Beitrag wurde das Modell laut der umfassenden und sehr detaillierten Baubeschreibung zusammengebaut und koloriert. Die in der Baubeschreibung vorgeschlagen Verfeinerung berücksichtigte man nicht, um den Zusammenbau nicht unnötig schwierig und damit abschreckend darzustellen. Lediglich der Innenraum wurde durch einen Gestaltungsbausatz von Kibri und einigen Preiserlein belebt.

Das die vorgeschlagenen Verfeinerungen, wie auch einige zusätzliche, auch am fertigen Modell möglich sind, zeigt dieser Beitrag.

Das imposante Modell des Stellwerkes begeisterte den Autor bereits bei der ersten Vorstellung im NeuheitenKurier dieser Zeitschrift. Schnell war der Wunsch geboren, diesen etwas anderen Bausatz auch einmal auszuprobieren, da die Firma Vampisol (www.vampisol.de) bei diesem Modell großteils Naturprodukte in Form von Spezialgips und Holz einsetzt. Der Bausatz ist bei Vampisol für 76,00 €, zuzüglich 5,50 € Versandkosten, direkt zu beziehen. Den Beitrag über den Zusammenbau des Stellwerkes findet man, wie oben bereits erwähnt, im ModellbahnKurier 32 „Stellwerke“ ab Seite 43. Wer das Heft nicht mehr im Zeitschriftenhandel findet, kann es direkt beim Verlag (www.eisenbahn-kurier.de) unter der Nr. 1732 bestellen.

Obwohl das Stellwerk damals direkt in ein Diorama eingebaut worden ist, wirkte es etwas nüchtern und erweckte den Eindruck „hier fehlt noch etwas“. So beschäftigt sich der Autor erneut mit dem Modell und realisiert einige notwendige und ergänzende Verfeinerungen:

Für die Bearbeitung von Fehlstellen im Gipsabguss, sind dem Vampisol-Bausatz kleine Tütchen mit Spezialgips beigepackt. Damit werden die Stellen aufgefüllt und anschließend mit einem kleinen Stichel profiliert.

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Während die beiden Mitarbeiter der Gleisbautruppe kritisch die Rückleuchte des Anhängers betrachten, beobachtet der Stellwärter aus der erhöhten Position die Situation.

Um den Kamin in seiner Höhe zu stabilisieren, werden zwei Kunststoffwinkel an der Außenseite mit je zwei Abspannungen angebracht. Der in der Dachfläche vorhandene Übergang wird durch Verwahrungsbleche rund um den Kaminfuß ergänzt.

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Die Dachfläche über dem Eingang erhält eine Strangentlüftung aus der Bastelkiste. Dazu ist die Dachfläche auszufräsen, ein trapezförmiges  Kunststoffstück einzukleben, ...

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Die Dachgauben erhalten neben einer Dachrinne mit einem kurzen Fallrohr, auch einige Abdichtungen oberhalb, seitlich und unterhalb des Dachaufbaus aus dünnen Kunststoff- und Alufolienstreifen...

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Dreidimensionale Dachverwahrungen sind aus starren Schieferplatten nicht herzustellen. Deshalb erhielten die seitlichen Abschlüsse des Firstes jeweils eine Blechverwahrung, die hier aus Küchen-Alufolie nachgebildet wird.

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Das realistisch und nahezu vollständig aus Naturbaustoffen nachgebildete Stellwerk besticht durch seine maßstäblichen Abmessungen und seiner vorbildlichen Gestaltung, jedoch fehlt etwas...

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Bei dem Aufstieg zum Eingang konnte das beigelegte, etwas wuchtige, Kunststoffgeländer nicht überzeugen. Hier soll ein feines Geländer aus Messingdraht entstehen.

Kamin

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... die Dachschiefer beizumodellieren und die Strangentlüftung einzukleben.

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Auch die Dachgaube wirkt in der Nahaufnahme durch die zusätzlichen Bauteile realistischer, ohne dadurch in den Vordergrund zu treten

Fehlstelle am Dach

Bedauerlicherweise hat der ansonsten hervorragend ausgestaltete Gusskörper des Daches an einer Ecke eine Fehlstelle. Hier fehlen einige Schieferplatten, die nicht bis zur Traufe ausgestaltet sind. Für diesen Fall, der bei Gusskörpern gerne auftreten kann, hat Jens Kaup seinem Bausatz zwei Tütchen Spezialgips beigelegt, der einem erlaubt solche Stellen beizuarbeiten. Dazu wird an der besagten Stelle zunächst die Farbe entfernt, dann trägt man den angerührten Spezialgips auf und lässt ihn trocknen, ehe die Schieferplatten mit einem kleinen Stichel herausgearbeitet werden. Dies kann man, wenn es beim ersten Mal nicht gelingt, mehrfach wiederholen, bis das Ergebnis zufriedenstellend ist. Nach einer entsprechenden Trocknungszeit wird die Stelle dann koloriert.

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Nach dem Einbau in das Diorama und der Montage der Fallrohre kommt das Stellwerk noch besser zur Geltung.

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Um das Fenster am Treppenhaus bündig einzubauen, wird das Bauteil verjüngt. Gleichzeitig erhält der Eingang einen Türgriff mit Schild und Schlüsselloch.

Der Kamin ist, wie man auf dem zweiten Bild in der Vampisol-Bauanleitung erkennt, vorbildgerecht wiedergegeben, aber als freistehender Kamin etwas zu lang. Vorbildgerecht sollen hier Verbindungen zum Dach angebracht werden, die dem Kamin Halt geben. Wage lässt sich dies auch in der besagten Aufnahme des Vorbilds erahnen. Für die Abspannungen werden die beiden Verdickungen am Kamin aufgenommen und hier an der Außenseite zwei feine Winkelprofile angeklebt. Diese lässt man seitlich überstehen, um hier Löcher für die Abspannungen zu bohren. In die Dachfläche werden ebenfalls Löcher gebohrt und dann jeweils ein o,4 mm Messingdraht als Abspannung zwischen der Dachfläche und dem Winkeleisen eingeklebt. Dies geschieht an allen vier Enden der Winkeleisen. Gleichzeitig ergänzt man die Eindichtung am Kaminfuß durch feine Kunststoffprofile, um die notwendige Zinkverwahrung darzustellen. Nach der Grundierung der Bauteile erfolgt auch hier die Kolorierung mit Farben von Revell.

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Vor dem Kolorieren fallen die vielen Details, die weitestgehend aus einfachen Bauteilen nachgebildet werden, besonders auf

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Im Vergleich > hier fehlt doch was…

Verwahrungen am First

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In der Ansicht tragen auch die zusätzlich angebrachten Regenrinnen von der Firma Auhagen zu einem besseren Gesamteindruck bei. Lediglich die aus Messingdraht nachzubildenden Regenfallrohre fehlen noch

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…während die Nahaufnahme zeigt, dass die Ergänzungen den hervorragend gelungen Bausatz von Vampisol zum wahren Schmuckstück machen

Einmal am Dach angekommen, geht es hier auch direkt weiter, obwohl die folgende  Verfeinerung nicht unbedingt notwendig ist. An den Übergängen vom First zu den Walmen benötigt man jeweils eine dreidimensionale Abdeckung, die nicht mit den starren, zweidimensionalen Schieferplatten regendicht hergestellt werden kann. Dafür ist eine Blechverwahrung notwendig, die im Modell aus Küchen-Alufolie nachgebildet wird. Nach einer Grundierung erfolgt hier ein mittelgrauer Anstrich.

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...als Absturzsicherungen sind außen Stangen angebracht. Diese werden aus Messingdrähten mit Griffstangenhaltern von Weinert nachgebildet....

Um einen guten Überblick über die Gleisanlagen unmittelbar vor dem Stellwerk zu haben, reichen die Fensteröffnungen sehr weit herunter...

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Strangentlüfter

Auf der Treppenhausseite war beim Vorbild im Walm ein Strangentlüfter vorhanden. Dieser soll auch im Modell nachgebildet werden. Dazu werden aus der Dachfläche einige Schieferplatten ausgefräst und eine trapezförmige Kunststoffplatte als Grundplatte bzw. Verwahrung unter die Schieferplatten geklebt. Da die Schieferplatten die Verwahrung immer überdecken müssen, bildet man die fehlenden Platten, wie bei der Fehlstelle im Dach, mit dem beigefügten Spezialgips nach. Danach erfolgt eine Bohrung in der Platte, in die man dann einen Lüfter aus der Restekiste klebt. Wird man in seiner Bastel- oder Restekiste nicht fündig, lässt sich der Lüfter auch leicht aus einem o,8 mm dicken Kunststoffrundprofil mit einer aufgeklebten Papierhaube nachbilden. Danach erfolgt die farbliche Gestaltung.

Die mit einigen Rostspuren versehenen Brüstungstangen und Halter erwecken den Eindruck ihrer Funktion gerecht zu werden  und stellen gleichzeitig eine vorbildgerechte Ergänzung dar.

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In der seitlichen Ansicht lässt das voluminöse Stellwerk die beladenen Güterwagen klein erscheinen.

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Nach der farblichen Gestaltung treten die Verfeinerungen und Ergänzung nicht mehr hervor, ohne ihre Wirkung zu verlieren.

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Die Brüstungsstangen werden nur an der Vorder- und Rückseite angebracht, da die Fensterbrüstungen bei den beiden Giebelfenstern höher sind

Brüstungsstangen an Fenstern

Dachgauben

An den Dachgauben fehlen an mehreren Stellen die Verwahrungen, um kein Regenwasser eindringen zu lassen. So müssen oberhalb der Gaube die Schieferplatten mit einem runden Fräskopf unterschnitten werden, damit man die Verwahrung (o,25 x 2,o mm) unter die Schieferpatten schieben kann. Der Abstand zwischen der Abdichtung und dem Gaubendach wird einfach mit Alufolie überbrückt. Des Weiteren erhalten die beiden Dachgauben an den Wangen jeweils ein schmales Kunststoffprofil (o,25 x 1,o mm) als Verwahrung zur Dachfläche. Unterhalb der Gaube wird ebenfalls eine Verwahrung in Form eines Kunststoffstreifens (o,25 x 1,5 mm) zwischen dem unteren, waagerechten Riegel des Fachwerkes und der Dachfläche geschoben. Zudem erhält das Dach eine Regenrinne mit einem kurzen Fallrohr aus 1,0 mm dickem Messingdraht. Auch hier werden die Arbeiten durch einen Farbauftrag abgeschlossen.

Regenrinnen

Für die Zurüstung mit Regenrinnen findet sich bereits in der Bauanleitung eine Empfehlung, diese mit Bauteilen aus dem Artikel 41609 von Auhagen nachzurüsten. Für die Montage wird das Dach abgenommen und auf dem Kopf in eine Lokliege aus Schaumstoff gelegt. So können die zugeschnittenen Abschnitte der Rinnennachbildungen leicht an das überstehende Dach angeklebt werden. Koloriert werden die Rinnen mit Revell-Farbe Nummer 74. Die Regenfallrohre entstehen wieder aus Messingdraht, die aber hier vorbildgerecht einen Durchmesser von 1,2 mm besitzen. Der Messingdraht eignet sich in diesem Fall besser, als die Kunststoffspritzlinge, da er sich leicht mit einer Rundzange kröpfen und damit den Gegebenheíten am Gebäude anpassen lässt. Die Fallrohre werden jedoch erst später angebracht, wenn das Stellwerk wieder zusammengefügt und aufgestellt wird. Dabei ist noch darauf hinzuweisen, dass sich die Fallrohre auf der Rückseite bzw. an der Kamin-Giebelseite befinden. Das letztgenannte Fallrohr wird jedoch am Sockel des Gebäudes zur Rückseite verzogen. Als Übergang von den Fallrohren zum Kanal im Erdreich dienen zirka 10 mm lange und 1,5 mm dicke Messingrohre, die mit Sekundenkleber befestigt werden.

Dem auf der Bauanleitung abgedruckten Bild des Vorbild-Stellwerkes ist zu erkennen, dass an den tief heruntergezogenen Fenstern der beiden Längsseiten Brüstungsstangen als Absturzschutz vorhanden waren. Da die Gleise unmittelbar vor und hinter dem Stellwerk vorbei führten, war so der direkte Blick auf die Gleisanlage möglich. Um dies im Modell nachzubilden werden etwa 8 mm über den Fensterbänken Löcher für die Halter gebohrt. Die Halter stammen von der Firma Weinert Modellbau (www.weinert-modellbau.de). Unter der Artikelnummer 8463 erhält man Stangenhalter mit Flanschen, die eigentlich für Lokomotiven gedacht sind, aber auch hier ihre Aufgabe erfüllen. Die Halter werden in die Bohrungen gesteckt und ein Messingdraht mit o,4 mm hindurch geschoben. Danach wird der Draht mit den Haltern verlötet. Diese Konstruktionen lassen sich dann leicht mit der Spritzpistole grundieren und schwarz lackieren, bevor man sie an den Fenstern anklebt. Einige Verwitterungsspuren, in Form von etwas Rostfarben, tragen zur realistischen Darstellung bei. Um dies noch vorbildlicher erscheinen zu lassen, ist es zudem ratsam den Boden des Stellwerkraumes um 3-4 mm anzuheben. Dies ist notwendig, da sich beim Vorbild der Fußboden auch oberhalb des unteren Schwellholzes des Fachwerkes befindet und  auch die Brüstungsstange auf der richtigen Höhe ist.

Treppenhaus

Am Treppenhaus sind gleich mehrere Verfeinerungen vorzunehmen. Zunächst werden das Fenster und die Haustüre nochmals herausgelöst, da sie zu weit hervorstehen. Sodann werden die beiden Bauteile verjüngt, bis sie mit der Oberfläche des Fachwerkes bündig sind. Gleichzeitig feilt man die Fenstersprossen etwas dünner, was den Bauteilen ein filigraneres Aussehen gibt. Die Haustüre wird mit einem Schlossschild aus einem feinen Kunststoffstreifen (0,5 x 1,0 mm) und einer Türklinke aus o,3 mm dickem Messingdraht komplettiert. Natürlich müssen hier auch die fehlenden Regenrinnen mit den dazugehörigen Regenfallrohren ergänzt werden. Dies geschieht wieder mit den Bauteilen von Auhagen und 1,2 mm dickem Messingdraht. Zum Schluss werden noch die Stufen zur Eingangstüre mit einem Geländer ausgestattet, da das dem Bausatz beigefügte Kunststoffgeländer zu massiv wirkt. Hier entsteht aus o,5 mm dickem Messingdraht beidseitig ein dem Treppenlauf folgendes Geländer, welches auf der ersten Stufe und dem Podest jeweils einen Pfosten erhält. Auch diese beiden feinen und leicht herzustellenden Bauteile tragen zum filigranen Gesamteindruck bei. Natürlich müssen die veränderten und neu angebauten Teile noch koloriert werden, um auch hier die Arbeiten abzuschliessen.

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Durch die feinen Handläufe an der Treppe zur Eingangstüre wirkt der Bereich filigraner. Ebenso zeigt das Treppenhausfenster mit den verjüngten Sprossen, welches nun flächenbündig im Fachwerk sitzt, seine Wirkung.

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Selbst die schlicht gehaltene Rückseitige des Stellwerkes wirkt durch die wenigen Verfeinerungen realistischer.

Nachdem all diese Arbeiten abgeschlossen sind, ist das Stellwerk wieder im Diorama aufzustellen und zu fixieren. Mit dem Beiarbeiten der Übergänge und der ein oder anderen Begrünung schließen auch diese Arbeiten ab. Im Vergleich mit den Bildern aus dem ModellbahnKurier werden die Verfeinerungen sichtbar und lassen das Stellwerk, ohne besonders in den Vorgrund zu treten, realistischer erscheinen. Die verschiedenen Ergänzungen und Verfeinerungen lassen erkennen, dass man mit wenigen Mitteln und ein wenig Arbeitseinsatz ein jedes Modell verbessern kann, um dem Vorbild näher zu kommen.

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